Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Bilder, Worte, Wein

Vernissage auf Weingut Rothweiler
Endlich! Gutes. Vernissage_Weingut_Rothweiler

Am letzten Samstag fand auf Weingut Rothweiler die Vernissage der Ausstellung „Ein Wingert entsteht“ statt. Gleichzeitig wurde unser gleichnamiges Buch vorgestellt. Leider kamen nur wenige Besucher nach Bensheim-Auerbach. Warum es trotzdem ein ganz prima Nachmittag war, erzähle ich euch nachfolgend.

 

Endlich! Gutes. Vernissage_Weingut_Rothweiler

Donnerstagabend vor der Vernissage. Es ist 23:30 Uhr. Die Bilder hängen. Wir haben Hunger und Durst und sind müde. Aber die Bilder hängen. Cool. Ab nach Hause. Jetzt noch ein kühles Bier nach Pilsener Art gebraut. Tut mir leid, Hanno. Aber ich habe Brand und nicht Lust. Lust habe ich auf Samstag. Auf die Leute, ein Glas Wein und überhaupt.

 

Die Vernissage

Samstagmittag. Weingut Rothweiler. Bensheim-Auerbach. Die Bilder hängen immer noch und ich auch – und zwar ein wenig durch. Es sind Gäste gekommen, doch weit weniger als erwartet. Schade. Aber ein Schlückchen von dem leckeren Weißwein-Cuvée – Roter Riesling und Grüner Silvaner im flotten Pas de deux – frischt aber fix den Geist auf. Wir gehen nach draußen in die Sonne vor dem roten Turm und hören nacheinander Hanno Rothweiler, Michael Frank und Dieter Krellmann.

Hanno erzählt von unserer inzwischen zweijährigen Kooperation und davon, wie wir ihn und sein Team ein Jahr lang bei Wind und Wetter im Fürstenlager begleitet haben. Der Herr Frank von Endlich! Gutes. greift den Faden auf und bedankt sich dann schließlich brav bei all denen, die uns bei den Vorbereitungen zu der Veranstaltung unterstützt haben.

Endlich! Gutes. Vernissage_Weingut_Rothweiler

Dann kommt Dieter Krellman zu Wort. Der in Darmstadt lebende Designer und Künstler sowie Mitbegründer der Initiative „Essbares Darmstadt“ spricht zuerst über Wahrnehmung. Darüber dass die Bilder, die in der Vinothek hängen, niemals die Gesamtheit des Geschehens zeigen. Sondern nur den Bruchteil einer Sekunde und einen kleinen Ausschnitt dessen, was der Fotograf sieht. Dann, nach einigen Minuten, wechselt er das Thema. Mit Blick auf die Bilder beruft er sich auf den Medienphilosophen und Kommunikationswissenschaftler Villem Flusser. Der hat geschrieben (nicht wörtlich), dass wir der Natur Gewalt antun, wenn wir sie verändern. Und wenn ihr euch die bewusst rauen schwarzweiß-Bilder anseht, mit den Vorschlaghammern und den riesigen Traktoren, dann wird das auch deutlich. Während er weiterspricht, denke ich an den Bericht über den Lindenhof bei Ober-Ramstadt, wo mit einem Pferd gepflügt wird. Doch auch dort wird der Boden verändert und jeder Eingriff in die Natur ist ein Akt der Gewalt. So hat das bisher keiner der Gäste gesehen und Dieter liefert einen 1a-Auslöser für ein lebendiges interessantes Gespräch im Anschluss.

 

Wieder drin

Vernissage_Weingut_Rothweiler

Die Sonne knallt dann doch ganz schön und wir verdrücken uns wieder in die Vinothek. Dort erwartet uns nicht nur Schatten, sondern auch noch ein kühles Glas des Cuvées. Wer lieber Roten mag, hat jetzt die Gelegenheit vom Rothweilerschen Dakapo zu probieren. Platz dazu bietet der lange Holztisch vor den Bildern. Aber nicht nur der Wein beschäftigt alle – das von Dieter angeschlagene Thema muss auch noch verdaut werden. Ein Gespräch nimmt seinen Lauf.

Das der Natur Gewalt angetan wird verneint niemand, vielmehr geht es eher um die Eskalationsstufen zwischen Hacken, Pflügen mit Pferd und dem Einsatz von Traktoren. Ich denke über die Bedeutung des Wortes Gewalt nach und über ihre Notwendigkeit, doch das behalte ich in dem Augenblick lieber für mich. Und inzwischen wandelt sich auch das Gespräch. Es wird zum Austausch über Landwirtschaft, Konsumverhalten und Trends. Wohltuend bei diesem Austausch ist, dass alles moderat vertreten wird und dass man sich zuhört. Und dass immer wieder Zeit ist für ein Gläschen.

Endlich! Gutes. Vernissage_Weingut_Rothweiler

So vergeht die Zeit und dann sind die Gäste weg. Wir räumen auf, babbeln noch ein wenig bei einem letzten Glas im Stehen (wie es in einem Liedchen heißt) und dann gehen auch wir.

Wie gesagt ist es schade, dass nur wenige kamen. Aber diejenigen, die dort waren haben eine Vernissage erlebt, die nur wenig vom oberflächlichen Blabla vergleichbarer Veranstaltungen hatte. Und deshalb war es dann doch ein ganz prima Samstag. Auf Weingut Rothweiler. In Bensheim-Auerbach. Und der Wein …

Endlich! Gutes. Vernissage_Weingut_Rothweiler

Danke

Ausstellung und Buch wären nicht ohne die Hilfe einiger weiterer Überzeugungstäter entstanden. Zuallererst ist natürlich Hanno Rothweiler zu nennen, der unser Projekt von Beginn an tatkräftig unterstützt und dessen Ehrenfelser allein eine Entdeckung wert ist. Und dann Reinhard Steinbacher, der bei Wind und Wetter im Weinberg niemals müde wurde, uns jedes Detail zu erklären. Manchmal auch mehrfach. Ohne das fotografische Equipment von Dirk Hoppmann wären diese Bilder nicht diese Bilder. Und nicht zu vergessen Sprachpapst Kai Richter, der das Geschriebene noch einmal kritisch beäugt hat. Dieter Krellmann eröffnete auf Weingut Rothweiler die begleitende Ausstellung, die ohne die freundliche Unterstützung von fotogena niemals zu sehen gewesen wäre. Auch nicht ohne die spontane Hilfe von Christoph Pullmann und Bodo Schäfer.

Euch allen: Danke. Echt jetzt.

(Beim Schreiben gehört: Das Album „Crack-Up“ von den „Fleet Foxes)

P.S: Sollte da draußen jemand sein, der ein Buch möchte – einige sind noch da. Schreibt einfach ein E-Mail an info@endlichgutes.de … und: Wer zuerst kommt mahlt zuerst für 15 EUR zzgl. 3,00 EUR Versandkosten (innerhalb Deutschlands).

Buch zu der Ausstellung: Ein Wingert entsteht

 

 

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