Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

„Bodenständig“ bedeutet nicht stehen zu bleiben

Zu Besuch auf Weingut Rothweiler in Bensheim-Auerbach

Obwohl Hanno Rothweiler sich ganz dem traditionellen Handwerk verschrieben hat, sucht man weinselige Winzer-Romantik hier vergebens. Hier geht es um moderne Weine, hohe Qualität und um so manche feine Überraschung.

Man sieht es schon von weitem, das Weingut Rothweiler am Berliner Ring in Auerbach. Dafür sorgt schon das „uffgeschdumbde“ rote Türmchen – direkt neben dem Probier- und Verkaufsraum, dessen klare Gestaltung den hohen Anspruch des Winzers deutlich unterstreicht.

Hier präsentiert der Winzermeister seine Weine, Sekte, Brände, Liköre, Schokoladen und vieles mehr. Und hier sitzen wir nun, reden und trinken Wasser, denn es ist früh am Nachmittag und … ihr wisst ja schon. Aber auch ohne Alkohol macht es Spaß mit Hanno Rothweiler über Wein und seine Arbeit zu reden – über Anbau, Ausbau und auch über die wirtschaftliche Seite das Ganzen. Und über die klimatischen Vorzüge seiner Steillagen, die ihm besonders am Herzen liegen, was gut nachvollziehbar ist.

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Riesling_hoch_1webIn solchen Momenten wird besonders deutlich, wie leidenschaftlich Hanno seinen Beruf ausübt, obwohl Winzer nicht gerade sein primärer Berufswunsch war. Landschaftsbau sollte es am liebsten werden und ist es dann ja auch irgendwie geworden, wie auf seiner Website zu lesen ist. Das Weingut ist auch kein Generationen übergreifender Familienbetrieb. Hanno Rothweiler hat 1984 von Null begonnen und alles mit eigenen Händen aufgebaut.

 Heute vermarktet er Weine, die auf etwa 5,5 ha Rebfläche in den Lagen Zwingenberger Steingeröll, Auerbacher Fürstenlager, Auerbacher Rott, Bensheimer Wolfsmagen, Heppenheimer Steinkopf und Heppenheimer Eckweg angebaut werden. Wobei die Streuung der Lagen sicher kein Zufall ist, denn die Bergstraße ist das Weinbaugebiet in Deutschland mit den meisten unterschiedlichen Böden, die eben auch zu unterschiedlichen Weinen führen.

Und wo wir schon bei unterschiedlichen Weinen sind: Auch wenn für den Winzermeister der Riesling über allem thront, präsentiert er eine schier unübersichtliche Sortenvielfalt. Es folgt der Versuch einer möglichst kompletten Aufzählung: Riesling, Grauer Burgunder, Ehrenfelser, Gewürztraminer, Grüner Silvaner, Chardonnay, Auxerrois, Weißburgunder, Gelber Muskateller, St. Laurent, Dornfelder, Syrah, Dakapo, 
Regent, Cabernet Sauvignon, Acolon, Roter Riesling, Rotling, Merlot, Müller-Thurgau, Spätburgunder.

Es geht ihm bei aller Vielfalt nicht um den sortenreinen Ausbau eines jeden dieser Weine und schon gar nicht darum etwas wie ein Museum der Weine zu werden. Es geht ihm darum herauszufinden, was in den Rebsorten steckt, was man draus machen kann und was davon zu ihm passt.

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Nimmt man das alles zusammen, erinnert es mich an die Meisterschüler bekannter Künstler. Sie lernen alles vom Meister, um dann eigene Wege zu gehen, die von großem Können sprechen und dennoch neue, überraschende Sichtweisen präsentieren.

Winzermeister Hanno Rothweiler bezeichnet sich aber lieber als bodenständigen, traditionsbewussten Handwerker. Aber als einen, der neugierig experimentiert, was es da so noch an Gutem zu entdecken gibt.

Ein gutes Schlusswort. Also erwerbe ich noch schnell einen frischen Riesling und bekomme einen roten Dakapo geschenkt. Wasser hatte ich heute ja genug.

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Weiteres über Hanno Rothweiler in unserem Blog findet Ihr hier:
„Das Jahr im Wingert – Folge 1“
„Das wirklich beste Netz“

 

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