Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Der regionale Anti-Back-Shop

Bäckerei, Konditorei und Café – Riesinger
Konditorin Alexandra Schwinn bei Riesiger

In einer Zeit, in der fast täglich eine Bäckerei schließt, reicht es längst nicht mehr aus, wenn du deinen Job als Bäcker und Konditor verdammt gerne machst. Du musst schon tief in der Region verwurzelt sein und die Menschen vor Ort müssen dir wirklich wichtig sein, damit du das durchziehst – so wie die Familie Riesinger das in Beerfelden tut.

Es ist fünf Uhr morgens in Beerfelden. Die ersten belegten Brötchen wandern über den Tresen der Bäckerei Riesinger. In der Backstube wird bereits seit halb drei gearbeitet. Aber jetzt ist Zeit für ein Frühstück. Brötchen und Brot sind gebacken und der Backofen muss von 250 auf 180 Grad abkühlen. Das ist dann genau die richtige Hitze für Hefegebäck und Kuchen. Dann geht es weiter.

Währenddessen verlässt im Verkaufsraum kein Brötchen und kein Brot ohne das dazugehörige Schwätzchen die Bäckerei. Man kennt sich eben in Beerfelden und bei Riesinger nimmt man sich auch Zeit füreinander. Jeden Tag. Bis in den Feierabend. Und das merken sich die Leute und kommen gerne wieder. Auch von außerhalb. Die persönliche Beziehung zu den Kunden ist der Familie Riesinger eben wichtig. Und nach einem netten Gespräch schmeckt das Brot gleich doppelt gut.

Das Café Riesiger in Beerfelden

Riesinger gibt es nur bei Riesinger

Aber Gebabbel hin und Gebabbel her – es geht um traditionelles Backhandwerk und um regionale Qualität. Handfest, ehrlich aber auch individuell. Während in Großbetrieben und Back-Shops der Teig auf die Backanlagen eingestellt wird, um immer und überall den gleichen Geschmack zu garantieren, wird in der Hirschhorner Straße in Beerfelden so gebacken, wie es die Teige erfordern. Und die werden ausnahmslos selbst hergestellt. Mit Zutaten aus der Region und sogar aus nächster Nähe.

Ein Stapel Brot in der Bäckerei Riesinger in Beerfelden

Ein Sack Mehl in der Backstube Der Bäckerei Riesinger in Beerfelden

Eier für die Bäckerei Riesinger in Beerfelden

Das Mehl stammt von Seifert aus Allemühl, die Milchprodukte kommen aus Hüttenthal und die Bio-Eier von umliegenden Höfen. Aber auch die weiteren Zutaten werden regional beschafft. Der Kochkäse wird in der Odenwälder Kochkäserei in Fürth bezogen, Fruchtsäfte in Hetzbach, Brände von Walz, Fisch aus der nahe gelegenen Forellenteichanlage Finkenbachtal und Obst und Gemüse direkt aus der Nachbarschaft – aus der Gärtnerei Berger.

 

„Wir wollen nicht nur satt machen“

Gabi und Hartmut Riesinger betreiben die Bäckerei nun selbst schon seit 30 Jahren. Aber die Geschichte des Betriebs begann bereits vor etwa einhundertfünfzig Jahren – in einem kleinen alten Haus, in das man über Stiegen gelangte. Es war ein Hof mit Stallungen und einem kleinen Laden – die Brötchen wurden mit einem Pferdefuhrwerk bis nach Finkenbach ausgeliefert. Alles ging seinen Gang, alle waren zufrieden und haben alles noch mit viel Liebe gemacht.

Aber die Zeiten ändern sich. Früher gab es in Beerfelden elf Bäckereien, von denen heute nur wenig übrig sind. Trotzdem hat sich die Liebe zum Handwerk zu den Produkten, die hier tagein und tagaus entstehen, bis in die vierte Generation der Familie erhalten. Und die Riesingers geben auch gern weiter, was sie bewegt und antreibt. An die Auszubildenden im eigenen Betrieb oder die Konditorin des Teams. Sie wird aktiv in ihren Ambitionen bestätigt, die Meisterschule zu besuchen – obwohl sie dann ganz sicher fehlen wird. Zusätzlich zu den ohnehin langen Arbeitstagen ist Hartmut Riesinger als Lehrer in der Berufsschule in Michelstadt tätig.

Das ist vielleicht genau der richtige Zeitpunkt das vierköpfige Team um Meister Hartmut und Gaby Riesinger vorzustellen. Als wir zu Gast sind, hat gerade Edis, der Auszubildende seine Gesellenprüfung bestanden. Er wird den Betrieb verlassen, aber sein Nachfolger steht schon fest. Im Herbst geht es los. Durch die Backstube wirbeln dann noch Bianca Koch, die Bäckerin, und Alexandra Schwinn – die bereits erwähnte ambitionierte Konditorin – um Brötchen, Brot, Gebäck und Torten herum. Im Verkauf unterstützt nachmittags Heidrun noch Gaby Riesinger, die aufmerksam den ganzen Tag zwischen Café und Verkaufsraum hin und her wuselt.

Die Konditorin Alexandra Schwinn in der Backstube Riesinger in Beerfelden beim Fertigen einer Torte

Hartmut Riesinger

Bäckerin Bianca Koch beim Formen von Hefegebäck

Gaby Riesinger im Verkaufsraum der Bäckerei

So gegen elf Uhr beginnen die Aufräumarbeiten in der Backstube. Alles ist fertig – auch die Teige für den nächsten Tag sind vorbereitet, die letzten Kuchen werden aus dem Ofen geholt und Alexandra legt letzte Hand an eine Torte mit einem Schokoladenüberzug. Der soll gefälligst lecker glänzen und erst als er es auch wirklich tut, kehrt Ruhe ein. Vorne im Verkauf und im Café geht es weiter.

Und dann sind da noch über fünfzig Sorten Trüffel

Als Ulrike Michel vom Gasthaus Zur Schmelz auf Facebook gesehen hat, dass wir die Riesingers besuchen werden, hat sie gleich gepostet: „Die Trüffel sind ein Gedicht!“ Und dann stehen wir vor dem gläsernen Tresor links im Verkaufsraum – prall gefüllt mit süßen Schätzen.

Der Trüffel Tresor im Verkaufsraum von Riesinger in Beerfelden / Odenwald

Sesam öffne dich. Das schießt mir durch den Kopf – obwohl ich eigentlich das Gegenteil eines Schokoholikers bin. Natürlich bekommen wir einige serviert – begleitet von Gaby Riesingers stolzem Lachen und gefüllt den Sorten mit Apfel-Sherry, Himbeer und Odenwälder Itzick (dieser Schlawiner vom Herrn Walz ist ein Obstbrand, der mit heimischen Kräutern aromatisiert wird).

Riesinger_Trüffel_Arbeitsplatz

Hartmut Riesinger beim Füllen von Trüffeln

Alle Trüffel entstehen in Handarbeit, bestehen aus feinsten, möglichst regionalen Zutaten und natürlich ohne Konservierungsstoffe. Und als wären die fünfzig Sorten nicht schon der Hammer – wenn jetzt einer unter euch die ultimative Trüffelidee hat – fragt einfach mal nach. In Beerfelden bei Familie Riesinger. Dort, wo feinste Trüffel zum täglichen Brot gehören. Wo das tägliche Brot mit der gleichen Hingabe gemacht wird, wie die feinsten Trüffel. Und wo alles mit viel Herz für die Menschen der Region gemacht wird. Denn wie gesagt: Riesingers wollen nicht nur satt machen.

Die Außenansicht von Bäckerei, Konditorei und Café Riesinger in Beerfelden / Odenwald

 

Und zum Schluss:
Ein Verkaufsgespräch aus der Bäckerei und Konditorei Riesinger

„Ich nehme zwei von den Brötchen da – nein von diesen – ja genau. Und … und was ist das denn für ein Kuchen. Der sieht ja lecker aus.“

„Ja. Das ist ein Mango-Kuchen.“

„Mango?“

„Mango!“

„Mango … Hähä … Dann nehme ich noch zwei von diesen Kaffeestückchen da – nein von diesen – ja genau.“

 

Ich weiß nicht mehr genau, ob es wirklich Mangokuchen war. Schließlich habe ich ja fotografiert. Bis auf das eine Bild, das hat der Herr Frank gemacht.

(Beim Schreiben u.a. gehört: „Insomnia“ von Faithless, natürlich den Monster Mix. Für alle, die schon um halb Drei in der Frühe was Anständiges gebacken bekommen müssen)

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