Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Der Wein Bau

Das Viniversum – die ganz Welt der Bergsträßer Weine
Das Viniversum in Heppenheim an der Bergstraße

Die Hessische Bergstraße ist das kleinste Weinanbaugebiet Deutschlands, bietet aber aufgrund der geologischen Besonderheiten die größte Vielfalt an Rebsorten. Und dieser Vielfalt hat die Winzergenossenschaft Bergstraße einen ganz besonderen Ort gewidmet – das Viniversum in Heppenheim.

„Es war ein einstimmiger Beschluss“, erzählt Reinhard Antes, der Vorsitzende der Bergsträßer Winzergenossenschaft (korrekt BERGSTRÄSSER WINZER eG). Also stimmten über vierhundert Stimmberechtigte im Jahr 2003 für das Viniversum denn so viele Mitglieder zählte und zählt die Genossenschaft die 1904 als Starkenburger Winzerverein gegründet wurde.

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Von da an war es ein langer Weg bis endlich im November 2014 das Viniversum seine Pforten für die Besucher und Weinliebhaber öffnen konnte. Es wurden Ideen geboren, Pläne geschmiedet, Entscheidungen getroffen und natürlich wurde gebaut. In mehreren Abschnitten, denn schließlich ist das Viniversum kein reiner Neubau sondern eher ein Umbau und eine Neugestaltung des Betriebsgeländes der Genossenschaft. Und während der gesamten Bauphasen lief der Betrieb ja schließlich weiter – musste weiterlaufen.

Jetzt ist es fertig das Viniversum – jedenfalls fast. Hier und da muss noch letzte Hand angelegt werden, aber diese Stellen muss man suchen. Und sie schränken in keiner Weise ein.

 

Viel mehr als man erwartet

Die Besucher können sich auf eine großzügige Vinothek freuen, die auch zu spontanen Weinproben einlädt. Hier kann man sich selbstständig durch das große Angebot in den Regalen „arbeiten“ oder sich fachgerecht beraten lassen. Man kann probieren oder einfach zum Thema Wein forschen. Wissenswertes gibt es genug und das ist unterhaltsam aufbereitet.

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Auf zwei großen Bildschirmen laufen dazu wechselnde Informationsprogramme rund um Landschaft und Wein. Auf einer Reihe von kleineren Sandsteinsäulen bieten vierzehn Präsentationen und achtundzwanzig Filme allerhand Interessantes zu Rebsorten und Produkten. An mehreren Rechnern kann man das alles vertiefen, Wein-Expertisen ausdrucken, einfach in der Archiv-Liste der Weine stöbern und vieles mehr.

Regelmäßige Weinproben und Kellerführungen ergänzen das Angebot, ein Veranstaltungsprogramm entsteht. Außerdem stehen großzügige Räume des Viniversums als Event-Location zur Verfügung – inklusive modernster Präsentations-Technologie und Catering-Küche.

 

Ganz im Zeichen von Wein und Stein

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Es geht darum die Tradition des Bergsträßer Winzerhandwerks, den Wein und die Region in einem modernen Kontext zu präsentieren – attraktiv und unterhaltsam. Aber niemals oberflächlich.

Im Mittelpunkt der Gebäudekonzeption steht dabei der Zusammenhang von Wein und Geologie. Und all das findet sich auf den ersten Blick in Architektur und Innengestaltung wieder. Denn bereits die Fassade aus gelbem Sandstein verankert das Viniversum fest im Kreis der historischen Gebäude Heppenheims die sich seit jeher im gleichen architektonischen Gewand präsentieren.

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Auch im Inneren zieht sich der Sandstein wie ein „gelber“ Faden durch die Architektur – an Säulen, Wänden und als blickfangende Intarsien in der Eichenholz-Theke. Überhaupt: Eiche und Wein gehören auch hier einfach zusammen, zeitgemäß kontrastiert durch Blaustahl. Und immer wieder findet man Akzente auf weitere regionale, geologische Sachverhalte. Die Platten der großen Theke aus Basalt erzählen von vulkanischen Untergründen der Region und die Wand hinter der Theke vom harten farbenreichen Odenwälder Quarzit.

Und genau durch dieses feinsinnige, aber abwechslungsreiche Zusammenspiel von Materialien und Formen verbinden sich die hochwertig gefertigten Möbel und die Architektur harmonisch zur Gesamtidee von Wein und Stein.

 

Exkurs: Der Red-Riesling-Racer

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Heppenheim ist die Hauptstadt des Roten Rieslings, des Ur-Rieslings und wird zum anderen wegen eines recht bekannten Formel-1-Rennfahrers „Vettelheim“ genannt. Beides führt uns zum Red-Riesling-Racer in der Kinderbelustigungsecke des Viniversums. Hier steht der Holzrenner, der in siebenhundert Arbeitsstunden von Genossenschaftsmitglied Tobias Breit aus eigens dafür hergestellten Barrique-Fässern erschaffen wurde. Bemerkenswert ist die Geschichte der Farbgebung. „Machen wir den bloß nicht blau. Der Vettel bleibt nicht ewig bei Red-Bull“, hatte man sich gesagt. Also wurde das Barrique-Monocoque rot. Und drei Wochen später unterschrieb Sebastian Vettel bei Ferrari.

 

Der Rotweinkeller

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Auch im neuen Rotweinkeller setzt sich die Verbindung von Tradition und Moderne konsequent fort. Betritt man den Keller vom Treppenhaus aus fällt der Blick sofort auf sechs große Holzfässer mit geschnitzten Fassböden. Links davon sorgt eine zehn Meter lange Steinwand, die mit Wasser berieselt wird, für die notwendige Luftfeuchtigkeit im Holzfasskeller. In die Wand eingemeißelt sind wichtige Daten der Geschichte der Bergsträßer Winzergenossenschaft. Und hinter den Barrique-Fässern auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Projektionsfläche für eine Multimediashow, die aus Imagefilm und animierter Darstellung der Rebenentwicklung im Jahresverlauf besteht. Diese Show ist einmal wöchentlich Bestandteil der Kellerführungen mit anschließender Weinprobe.

Es wird also einiges geboten im Viniversum. Alles ist auf dem Weg. Aber der Vorsitzende der Genossenschaft bleibt realistisch. „Luft nach oben ist immer“, sagt er. Und dass zukünftig mehr Veranstaltungen geplant seien. Aber der Erfolg des Gesamtkonzepts lässt sich bereits heute ablesen. „Jede fünfte Flasche Wein der Winzergenossenschaft wird inzwischen hier verkauft“. Damit scheint Reinhard Antes nicht ganz unzufrieden. Und einige Regale geben ihm Recht. Denn dort blicken uns Schilder entgegen worauf nur ein Wort steht:

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Fotografiert hat Wolfgang Merkle für diesen Beitrag.

(Beim Schreiben gehört: u.a. „One Day Like This“ von Elbow)

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