Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Frischwärts

Ein kurzer Besuch in der Molkerei Hüttenthal

Wer sich im Odenwald und an der Bergstraße auf kulinarische Spurensuche begibt, stößt überall auf die frischen, möglichst naturbelassenen Produkte der Molkerei Hüttenthal. Köche schwärmen von der Butter, Ladenbesitzer vom Odenwälder Frühstückskäse und wir haben in der goldenen Herbstsonne die Buttermilch für uns wiederentdeckt.

Wir sind die Siegfriedstraße – das ist die B 460 – von Fürth nach Südosten gefahren und haben die Molkerei Hüttenthal kurz vor dem Marbach-Stausee gefunden. Dort wo Marbach, Mossaubach und Güttersbach zusammentreffen liegt sie gut sichtbar nur einige Meter abseits der Bundesstraße. Und dort liegt sie seit über einhundert Jahren. Hüttenthaler Landwirte haben die Molkerei im Jahre 1900 gegründet und seit 1912 befindet sich das Unternehmen im Privatbesitz der Familie Kohlhage. Mit Britta und Kurt Kohlhage steuert bereits die dritte Generation die Geschicke des erfolgreichen Betriebs.

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Jetzt sitzen wir mit Britta Kohlhage an einem der Holztische vor der Molkerei, plaudern und trinken Buttermilch. Buttermilch! Ich weiß nicht, wann ich zuletzt Buttermilch getrunken habe. Nicht, dass ich die nicht mag, aber im städtischen Supermarkt gehört die einfach nicht in mein Beuteschema. Doch hier ist das etwas ganz anderes. Bereits nach dem ersten Schluck kommst du überhaupt nicht mehr auf die Idee, an diesem Ort etwas anderes zu trinken. Und sie ist kühl, frisch und lecker, diese Buttermilch.

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Hinter uns wird in der Molkerei gearbeitet, im Lädchen ist Betrieb, Kunden kommen und gehen, ausgelassene Kinder streicheln Zicklein um die Wette, die sich das auch gern gefallen lassen. Also ist durchaus etwas los an diesem Wochentag, aber von Stress und Hektik keine Spur. Alles fühlt sich so leicht an. Und mit dieser Leichtigkeit erzählt auch Frau Kohlhage von der Molkerei.

Doch was sie erzählt macht uns schnell klar, dass so eine „ländliche Wohlfühlzone“ nicht von allein entsteht. Es braucht wohl schon eine gehörige Portion Energie und Konsequenz, wenn man mit leichter Hand ein hohes Qualitätsbewusstsein, ethisch korrektes Handeln und unternehmerisches Denken unter einen Hut bringen will.

 

Die Milch macht’s … tatsächlich

Für die Familie Kohlhage beginnt das alles mit der Regionalität der Rohmilch, ihrer besonders hohen Qualität und ihrer Naturbelassenheit – und das schon seit Großvaters Zeiten. Denn schon damals wurde die Milch nur von ausgesuchten Landwirten bezogen, die man auch persönlich kannte. Und das ist bis heute so geblieben. Die rund 14.000 Liter Kuhmilch und 1.000 Liter Ziegenmilch, die pro Tag verarbeitet werden, stammen von neunzehn landwirtschaftlichen Familienbetrieben aus der unmittelbaren Umgebung. Den am weitesten entfernten Hof trennen nur fünfundzwanzig Kilometer von der Molkerei.

Die angeschlossenen Milchbauern bekennen sich durch ein Schild am Hof zu der Kooperation. Und sie verpflichten sich zu einer traditionellen Erzeugung der Milch. Das heißt, die Tiere werden auf der Weide gehalten und traditionell, also gentechnikfrei gefüttert. Das könnten die Landwirte nicht bieten, würden sie lediglich den normalen Milchpreis von der Molkerei erhalten. Deshalb zahlen die Kohlhages Zuschläge für Regionalität, Weidegang und traditionelle Fütterung. Und genau das trägt nicht nur zur hohen Qualität der Rohmilch bei, sondern macht eben auch eine tiergerechte Haltung möglich – fern jeglicher Einkerkerung industriell gehaltener Kühe.

Mit einem Schluck Buttermilch spüle ich alle Gedanken daran herunter und freue mich über diesen Schuss vor den Bug des allgegenwärtigen Lebensmittel-Billig-Wahns. Mehr davon, bitte. Viel mehr.

 

Natürlich frisch schmeckt’s am besten

Britta Kohlhage kommt auf die schonende Verarbeitung der regionalen Milch zu sprechen. Sie erzählt, dass die Rohmilch traditionell pasteurisiert, sprich haltbar gemacht wird. Auf das sonst übliche Homogenisieren und Ultrahocherhitzen wird in Hüttenthal ganz bewusst verzichtet. Pure Frische statt unnötig langer Haltbarkeit lautet die Devise.

Auch in der Weiterverarbeitung bleibt alles weitest gehend naturbelassen. Bindemittel, Konservierungsstoffe, Farb- und Aromastoffe, sowie gentechnisch veränderte Käsereikulturen? Das alles gibt es hier nicht, weil natürliche Qualität das nicht braucht.

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Und das alles ist natürlich kein Selbstzweck. Auch in der Molkerei Hüttenthal dreht sich alles um die Güte, Geschmack und Eigenständigkeit der Produkte. Aber hier können sich die Ergebnisse mehr als sehen lassen. So zählt das Web-Magazin „Gourmet Globe“ die Hüttenthaler Butter zu den fünf besten der Welt. Und der hauseigene Handkäse ist als Odenwälder Frühstückskäse seit 1997 als regionale Spezialität herkunftsrechtlich geschützt. Das Kräuterzicklein schmeckt sagenhaft. Und über die Buttermilch habe ich mich ja bereits hinlänglich ausgelassen.

Die ist übrigens alle. Selbstverständlich gibt es noch viel mehr über Molkerei, Käserei und Lädchen zu erzählen und über die dreiundzwanzig Menschen, die hier täglich frisch zu Werke gehen. Aber jetzt bedanken wir uns artig, vereinbaren einen Fototermin in der Käserei und nehmen leicht beschwingt die Siegfriedstraße nach Nordwesten.

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Demnächst mehr über Butter, Käse und die Molkerei Hüttenthal auf endlichgutes.de

Fotograf und digitaler Laborant ist Wolfgang Merkle.

(Beim Schreiben u. a. gehört: „Powerless (Say What You Want)“ von Nelly Furtado)

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3 Kommentare zu “Frischwärts

  1. Hallo,
    auch wieder eine sehr spannende Vorstellung eines traditionellen Betriebes. Bei Hornung war ich letzte Woche schon, auch hier werde ich vorbeischauen. Deshalb würde mich interessieren, ob man die Produkte nur vor Ort kaufen kann (Bei 14.000 Litern Milch kann ich es mir schwer vorstellen) oder ob es auch Läden, z. B. in Darmstadt gibt, in denen ich die Produkte von Hüttenthal erwerben kann?
    Lieben Dank,
    Lena

    1. Thomas Hobein

      Hallo Lena,

      vielen Dank für deine Worte.

      Du findest eine Vielzahl von Produkten der Molkerei Hüttenthal im Heiping „regionales Lädchen und Kaffeerösterei“ auf der Karlstraße und an der Ecke Donnersbergring/Bessunger Straße bei Obstbau Geibel.

  2. Noch zwei Quellen: Samstags auf dem Marktplatz beim „Bauernhof Express“ oder Mittwochs auf dem Riegerplatz bei dem Metzgerstand – dort gibt es sogar die Rollenbutter. Mmmhhhh!

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