Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

It’s a Man’s World

Feuer, Fisch und ordentlich was zu Trinken

Wenn die ersten Sonnenstrahlen so viel Kraft haben, dass sich die Motorradfahrer wieder wagemutig in die Kurven legen, legen wir lieber ein Feuer an der Teichanlage Finkenbachtal und lassen uns von Küchenmeister Keylock daran eine Lachsforelle zubereiten. Zu klischeehaft? Ja, aber manchmal muss das eben sein.

Ganz schön groß, denke ich, als Matthias Bartmann uns die Lachsforellen zeigt, die er für uns vorgesehen hat. Er betreibt seit Anfang 2015 die Teichanlage Finkenbachtal. Der gelernte Maschinenbauer ist eben lieber draußen als in der Halle und noch viel lieber ist er sein eigener Boss. Also hat er hier den Outdoor-Neustart gewagt und es nicht bereut.

Es ist Donnerstag und wie jeden Tag ist hier richtig was los an den Teichen im Finkenbachtal. Das zeigen deutlich die zahlreichen Angler, die um den großen Teich herum verteilt sind und immer mal wieder interessiert zu uns herüberblicken. Da wir aber trotz Kameras und Stativen nicht vom Fernsehen sind, lässt die Neugierde irgendwann nach. Uns ist es recht und den Anglern sicherlich auch. Sie kommen teilweise von richtig weit her, um hier in dem wirklich idyllischen Tal mal ganz in Ruhe zu entspannen; die Seele baumeln zu lassen, wie man so schön sagt. Es sind die unterschiedlichsten Typen, darunter Anwälte und Ärzte, die bis aus Karlsruhe den Weg hierher zum Fischen finden.

Saiblinge, Bachforelle, Goldforelle, Lachsforelle und Stör kann man hier übrigens nicht nur angeln, sondern auch kaufen – frisch filetiert, geräuchert oder die Lachsforelle sogar im Brathering-Style.

Überhaupt hat Matthias gemeinsam mit Mitarbeiter Werner nicht nur alles auf Vordermann gebracht seit er die Anlage betreibt, sondern auch noch so einiges vor. Zum Beispiel liegt endlich die Baugenehmigung für die Veränderung des Gebäudes vor. Ein kleines Schlachthaus ist bereits fast fertig, jetzt soll noch eine Hütte mit einem Gastraum entstehen und das ist längst nicht alles. Aber immer schön eins nach dem anderen.

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Denn jetzt kümmern wir uns endlich um die Lachsforellen, die Matthias uns präsentiert. Wir suchen uns eine aus, die etwa sechs Kilo schwer ist, denn die reicht locker für uns. Wir sind heute zu viert. Gastgeber Matthias Bartmann, Christopher Keylock, Michael Frank und ich.

Chris fackelt nicht lange und filetiert den Burschen. Dann salzt er ihn erst mal großzügig mit Meersalz. Zeit für uns, die Getränke im Finkenbach zu kühlen, der die Teiche mit Wasser speist – viel Zeit geben wir Wein und Bier allerdings nicht .

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Chris bereitet den Fisch wie einen Flammlachs zu. Das heißt, die Fischfilets werden auf ein Brett genagelt und am offenen Feuer gegart. Dazu gibt es Kartoffeln und rote Zwiebeln, die in Alufolie im Feuer gegart werden. Und so macht Chris seinen Flammlachs.

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Ihr braucht für vier Personen – in diesem Fall sehr, sehr hungrige Männer nach dem Winterschlaf:

  • 1 Lachsforelle, etwa sechs Kilogramm Lebendgewicht
  • 12 mittelgroße, festkochende Kartoffeln
  • 4 große, rote Zwiebeln

und für die Marinade

  • 6–8 getrocknete Lorbeerblätter
  • 2 TL Fenchelsamen
  • 0,5 TL Chili-Flocken
  • 1 TL Pfefferkörner
  • 3 Knoblauchzehen
  • Abrieb von zwei Limetten
  • Raps- oder Sonnenblumenöl oder eine Mischung aus beiden .

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Zuerst filetiert ihr den Fisch und bestreut die Filets mit reichlich grobem Meersalz. Das lasst ihr etwa fünfundvierzig Minuten lang einziehen.

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Währenddessen zerstoßt ihr in einem Mörser alle Zutaten für die Marinade und vermengt sie mit dem Abrieb der Limetten und soviel Öl, dass eine dickflüssige Mischung entsteht.

Dann kümmert ihr euch erst mal um die Kartoffeln und die geschälten roten Zwiebeln, die ebenfalls gegart werden. Dazu wascht ihr die ungeschälten Kartoffeln ab und verpackt sie einzeln mit etwas Meersalz in Alu-Folie. Die roten Zwiebeln schneidet ihr in eineinhalb Zentimeter dicke Ringe, gebt etwas Meersalz darüber und verpackt jeweils zwei bis drei der Ringe wie die Kartoffeln in Alu-Folie.

Spätestens jetzt ist es Zeit für euch, das Feuer zu entfachen. Verwendet als Brennmaterial ausschließlich unbehandeltes Holz. Grillübliche Holzkohle ist hier nicht geeignet, da der Rauch des verbrennenden Holzes zur Würze des Fischfilets beitragen soll.

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Wir legen das Feuer in einer Feuerschale an. Das ist weniger gefährlich und leichter zu handhaben. Außerdem finden hier die Kartoffeln und Zwiebeln Platz, um neben dem Feuer gar zu ziehen. Die legt ihr in die an den Rand der Schale, wenn das Feuer schön lodert.

Wascht dann das Salz von den Fischfilets und nagelt sie auf jeweils ein Holzbrett, das etwa vierzig mal einhundertfünfzig Zentimeter misst. Die Bretter sind unten angespitzt, um sie in den Boden rammen zu können. So spart ihr euch teure Vorrichtungen, die im Handel angeboten werden. Befestigt den Fisch so, dass die Haut der Filets auf dem Holzbrett liegt und das schmale Ende nach oben zeigt, da es schneller gart.

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Sind die Filets am Brett befestigt, bestreicht ihr den Fisch mit der Marinade. Lasst sie für zehn Minuten ziehen, bevor ihr die Bretter neben der Feuerstelle ins Erdreich rammt – so dass sie sich leicht über das Feuer neigen. Während des Garens pinselt ihr die Filets der Lachsforelle dann noch mehrmals mit der Marinade ein

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Garzeiten lassen sich schlecht angeben. Denn die werden von verschiedenen Dingen beeinflusst – von der Intensität des Feuers, vom Abstand der Bretter zum Feuer, vom Wind und beim Fisch natürlich von der Dicke der Filets. Ziel ist, dass sich eine leichte Kruste auf dem Fischfilet bildet.

Als frische Beilagen zum Fisch hat sich Chris für einen Kräuterquark und einen Feldsalat entschieden. Und so bereitet er beides zu:

Für den Kräuterquark verrührt ihr 250 g Quark mit der gleichen Menge Schmand und schmeckt die Mischung mit Salz, Pfeffer, Zucker und einem Spritzer Limettensaft ab. Zum Schluss hebt ihr ein Bund fein geschnittenen Schnittlauch unter.

250 g Feldsalat müsst ihr zuerst gründlich waschen und putzen. Stellt den Salat beiseite und hebt das Dressing erst unmittelbar vor dem Servieren unter. Für das Dressing vermengt ihr 2 EL Apfelessig, 3 EL neutrales Pflanzenöl, 3 EL kalt gepresstes Olivenöl, 1 Msp. Chili-Flocken, 1 TL braunen Zucker und schmeckt es mit Salz und Pfeffer aus der Mühle ab.

Die einzelnen Schritte sind für sich genommen alle sehr einfach, zusammen dauert es jedoch schon ein wenig. Aber es lohnt sich. Plant also ausreichend Zeit ein für euren Flammlachs ein und stellt genügend Getränke bereit, denn Fisch will schwimmen. Dieser auch.

Als wir den Fisch dann endlich vom Feuer nehmen, auf den Tisch legen und die Beilagen anrichten, da hat das hier mitten im Wald etwas von „Tischlein-deck-dich“. Aber der Gedanke verfliegt so schnell, wie er gekommen ist. Uns knurrt der Magen, der Durst quält uns und die pure Lust zu Futtern verhindert weitere intellektuelle Leistungen unserer Gehirne – so wie das seit der Steinzeit eben ist – in „a man’s world“ und genau in diesem Moment auch an der Teichanlage Finkenbachtal im südlichen Odenwald

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Am Flammbrett war Christopher Keylock und an der Kamera Thomas Hobein.

Unsere Bezugsquellen zeigen, wie man mit Produkten von regionalen Anbietern wirklich unbeschreiblich Leckeres auf den Tisch bekommt:

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(Beim Schreiben gehört: American Recordings von Johnny Cash)

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Weiteres über und Rezepte von Chris in unserem Blog findet Ihr hier:
„Feine Sache statt zäher Masse“
„Unser neuer Chef“
„Laudenauer Weihnachtsgans“
„Ein Weihnachtstraum“
„Fish ’n Chips“
„Der Beckenrand Hotdog“

1 Kommentar zu “It’s a Man’s World

  1. Das sieht mal wieder alles richtig lecker aus.

    Viele Grüße aus der Weltmetropole Hohenhain.

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