Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Landmetzgerei Hornung (Folge 1)

Die Leut’, die einfach gerne Gutes machen

Folgende E-Mail aus dem Odenwald erreichte uns: „Hallo aus dem Odenwald, ich habe mir gerade einmal Ihre Homepage angesehen und festgestellt das da überhaupt kein Metzger vertreten ist. Unsere Firmenphilosophie würde dazu passen. (…) Viele Grüße aus dem Lautertal, Gunther Hornung.“ Wir sind dann mal hin.

 

„Kaufen Sie beim Metzger Ihres Vertrauens“ heißt es ja. Und obwohl Fernsehköche wie Tim Mälzer das immer wieder postulieren, schrumpft die Zahl der kleinen Metzgereien immer weiter. Ganz Deutschland wird von den Fleischtheken im Supermarkt beherrscht. Ganz Deutschland? Nein. In der kleinen Gemeinde Lautertal-Reichenbach leisten gleich drei unbeugsame Metzgereien Widerstand. Und eine davon besuchen wir jetzt – die Landmetzgerei Hornung. Schließlich sind wir ja eingeladen.

 

„Wir sind unsere Marke!“

Schon vor der Tür wird klar, was Gunther Hornung damit meint: Denn dort begrüßt uns erst mal direkt an der B 47, der Nibelungenstraße, das mächtige Schild über dem Schaufenster des Fleischereifachgeschäfts. Es zeigt im Wesentlichen ihn und seine Frau Helga. Also Zweifel darüber, wer das hier alles macht, kommen da bestimmt keine auf. Trotzdem wirkt es nicht großspurig, sondern überwindet auf sympathische Weise die uniforme Anonymität der meisten Metzgereien. Und trägt so zur Markenbildung bei. „Unsere Außenwerbung wird schon von anderen kopiert. Dann muss ja was dran sein“, wird der Metzger später dazu sagen.

Aber jetzt erst mal rein in den Laden. Und dann stehen wir vor der prall gefüllten Fleischtheke. Leckere Vielfalt lacht uns an – in blitzeblanker Umgebung liebevoll präsentiert. Konserven aus eigener Herstellung füllen Regale an den Wänden, ergänzt durch Produkte verschiedener Erzeuger aus der Umgebung. Alles aus der Region für die Region. Gemacht von verantwortungsvollen Herstellern. Tatsächlich spüren wir durch diese Darbietung all dieser hochwertigen Produkte sofort den Qualitätsanspruch und die Leidenschaft für das Handwerk, die diese Metzgerei ausmacht. Oder besser ausgedrückt, die Menschen in diesem Betrieb.

_MG_6938_t

_MG_6945_t

 

Wir haben Erfolg, aber mir tun auch was dafür.“

 Dann steht er vor uns. Der große Mann mit Bart. So nennt ihn Jaqueline, die junge Metzgermeisterin. Tatsächlich ist nicht nur das Schild draußen groß, Hornung selbst ist es auch. Ich selbst bin ja schon zwei Zentimeter größer als Sylvester Stallone, also einsfünfundsiebzig. Hornung ist etwa doppelt so groß, gefühlt jetzt. Und ein Spargeltarzan ist er auch nicht gerade.

_MG_7018_t

 

Er führt uns in einen Raum zwischen Laden und Wurstküche. Dort setzen wir uns, trinken Mineralwasser und babbeln. Natürlich nicht ohne von Helga Hornung mit sensationellen Wildschweinwürsten und Winzerkugeln versorgt zu werden. Das sind kleine Saumagenkugeln mit einer fruchtigen Überraschung in der Mitte.

_MG_7009_t

 

Die beiden betreiben ihre Landmetzgerei in Reichenbach jetzt seit 1984. Vorher führten sie die Metzgerei Krämer im Bensheimer Stadtteil Gronau. Aber die wurde irgendwann zu klein für ihre Ideen. Doch der Standort spielt nicht die entscheidende Rolle, denn mehr als die Hälfte der Kunden fährt mit dem Auto zur Fleischerei ­– viele davon über eine Strecke von mehr als dreißig Kilometern. Sie erzählen von einem Frankfurter Pärchen – also nicht von einem Paar Frankfurtern – die einmal im Monat kommen. Die verbinden ihren Einkauf dann immer mit einer Wanderung, aber niemals umgekehrt.

Überhaupt ist den Hornungs das Verhältnis zu ihren Kunden wichtig. Darunter gibt es welche, die seit über dreißig Jahren hier Fleisch und Wurst kaufen. Freundschaftliche, fast familiäre Bindungen sind da alles andere als ausgeschlossen.

 

Wir machen immer mal was anders als die anderen.“

Bereits nach kurzer Zeit wird auch sehr deutlich, wir sitzen hier mit echten Überzeugungstätern am Tisch. Qualität beginnt hier mit Haltung und Fütterung der Tiere, die verarbeitet werden. Möglichst billiges Fleisch aus Massentierhaltung kommt für Helga und Gunther Hornung nicht in Frage – kein Stück.

Dazu eine sehr klare Ansage: „Die Kunden die zu uns kommen, die wollen was Besonderes, die kriegen was Besonderes und das Besondere hat auch seinen Preis. Ende.“

Aber die Hornungs wissen auch: „Es gibt Kunden, die das wollen und wissen und die anderen kriegen wir eh nicht mehr.“

Und diese Philosophie setzen sie in einer wohldosierten Mischung aus hoher handwerklicher Qualität und innovativen Ideen um. Gunther Hornung formuliert das so: „Man kann und muss Trends mitmachen, darf dabei aber das Wesentliche nicht vergessen. Trends sind halt nur Trends.“

Dennoch strotzt sein Angebot nur so von preisgekrönten und vielbeachteten Eigenkreationen ­wie dem Odenwälder Coppa oder dem Worschtbrot aus der Dose. Von den kleinen Winzerkugeln hatten wir es ja schon. Und nach einem Urlaub in Leutasch, Österreich, reifte die Idee, dort Schinken auf einer Höhe von über 2.200 Metern in einer Scheune reifen zu lassen, geschmacklich geprägt von sauberer Luft und dem kräutigeren Aroma des Bergwiesen-Heus. Und nicht zu vergessen sind die Wildschweinwürste, für die es schon fünfmal die Auszeichnung „Metzgerei des Jahres“ vom Feinschmecker gab.

Einfach Gutes zu machen, ist ein Anspruch, der sich vom Chef bereits auf die nächste Generation übertragen hat. Metzgermeisterin Jaqueline ist inzwischen weit mehr als Mittäterin. Sie eilt auch schon von Erfolg zu Erfolg – eben ganz so, wie der große Mann mit Bart.

So, wir schieben uns schnell noch eine Mini-Winzerkugel rein, empfangen Reiseproviant in Form der sauleckeren Wildschweinwürste und machen uns vom Acker. Mehr erzählen wir euch dann das nächste Mal. Dann wird es um Qualität gehen und um Regionalität, Massentierhaltung, das Bio-Siegel und vieles mehr, das fehlt oder überflüssig ist. Bleibt also gefälligst daran.

_MG_7033_t

 

Fotografie und Bildberarbeitung: Thomas Hobein

(Beim Schreiben habe ich das Album „Loma Vista“ von „Family of the Year“ gehört)

————————————-

Lest mehr über die Landmetzgerei Hornung:
Landmetzgerei Hornung (Folge 2) – Gunther Hornung, ein Mann, ein Wort

8 Kommentare zu “Landmetzgerei Hornung (Folge 1)

  1. Toll, ich freue mich, das ihr die Metzgerei vorstellt. Ich werde in zwei Wochen auch mal dort einkaufen, wenn ich wieder durchs Lautertal fahre. Leider gibt es nur noch wenige Metzger, die Qualität so hochhalten, auch ein Grund, warum ich mich fast ausschließlich vegetarisch ernähre. Auf die Wildschweinwürste freue ich mich schon.
    Liebe Grüße,
    Lena

    1. Thomas Hobein

      Hallo Lena, schön, das du uns gefunden hast. Zum Thema Qualität und Nachhaltigkeit kommen wir so in ein, zwei Wochen. Und im geplanten dritten Teil wird es dann konkret um Hornungs Wildspezialitäten gehen.

      Gruß aus Darmstadt
      Thomas

  2. Julia

    Ich finde die Mettbrötchen lecker….meine Kollegen übrigens auch 😉

    Viele Grüße
    Julia

  3. Julia

    Ich bin jetzt nicht so der Fleisch- und Worscht-Esser 😉 ABER wenn ich dann mal Lust drauf habe, dann lege ich Wert auf Qualität. Ich möchte nicht, dass Tiere unnötig leiden müssen, nur weil ich mal Gelüste auf Fleisch habe. Seit ich nach Reichenbach gezogen bin, kaufe ich bei Hornung, weil hier kein Fleisch von Massentierhaltung stammt. Da bezahle ich gerne etwas mehr. Letztendlich kommt es uns selbst wieder zugute 🙂

  4. Ulrich Jünger

    Alles saugut – besonders die „forztrockene“ Blutwurst, Fleischschwurst im Ring und einfacher Landschinken.
    Wohne leider weit weg – wäre Versand möglich? Gruß

    1. Lieber Herr Jünger, vielen Dank für Ihre Anfrage – es ist ganz einfach. Gehen Sie auf unserem Blog auf die Empfehlung der Metzgerei Hornung und nutzen Sie dort das Mailformular (Briefsymbol). Dann geht Ihre Anfrage genau an die richtige Adresse, nämlich direkt an Herrn Hornung nach Reichenbach. Ich bin mir sicher, dass es da eine leckere Lösung gibt. Michael Frank

  5. Peter Reither

    Hallo…ist ja witzig! Frankfurter Pärchen…sind wir, Monika & Peter Reither. Es stimmt, wir sind viel in der Region „Bergstr.-Odenwald“ mit unseren Rucksäcken unterwegs. So haben wir die Hornung’s entdeckt. Heute haben
    wir Zeit, also ab nach Reichenbach. Etwas „schwätzen und schlemmen“!

    Liebe Grüße aus Frankfurt
    Moni -u. Peter R.

    1. Thomas Hobein

      Schön, dass ihr unsere Seite gefunden habt. Viel Spaß und schönen Gruß.

Kommentar hinzufügen

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wo wir weitere kulinarische Abenteuer erleben