Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Rothweilers 2015er

Oh Mann. Oh Mann. Was für ein Jahrgang!

Es passiert nicht oft, dass ein Weinjahrgang so über den grünen Klee gelobt wird wie der 2015er. Die Rede ist von Spitzenqualitäten in allen Anbaugebieten. Wir durften auf Weingut Rothweiler in Bensheim-Auerbach seine frisch abgefüllten Bergsträßer probieren und sind hin und weg.

CRW_7909_webHanno Rothweiler strahlt als er die ersten Gläser seiner 2015er einschenkt – Roter Riesling vom Auerbacher Fürstenlager. Und als wir probieren, strahlen wir auch. Mit 12,5 % Alkohol ist der zwar nicht gerade harmlos, aber längst nicht so eine Wuchtbrumme wie viele französische Weißweine. Die Säure gibt ihm diese juvenile Leichtigkeit und Frische. Definitiv etwas für den kommenden Sommer.

Gemeint ist übrigens tatsächlich nicht roter „Schwarzriesling“ oder weißer Riesling, sondern wirklich „Roter Riesling“. Das ist eine uralte Weißwein-Rebsorte und wohl auch die Urform des heutigen Rieslings. Im Gegensatz zum gewohnten Riesling lassen die erntereifen Beeren des Roten Rieslings an einen Rotwein denken, das gekelterte Endergebnis ist aber ein weißer Wein.

Die Gläser füllen sich mit einem Riesling Cuvée aus Weinen der Lagen Heppenheimer Eckweg und Auerbacher Fürstenlager. Die Idee dazu entstand zufällig während einer Weinprobe, erzählt der Auerbacher Winzer. Wein ist halt ein geistiges Getränk, denke ich. Und Michael Frank schnüffelt währenddessen nur kurz. Er erinnert sich sofort an den Geruch, der während der Weinlese aus der Kelter strömt. Hanno nickt. Wir probieren. Merklich mehr Rest-Süße als der Rote Riesling, stellen wir fest. Und Litschi. Und Schwarze Johannisbeeren. Und überhaupt – wenn Weinproben zu so guten Ideen führen, sollte es mehr Weinproben geben.

Es folgt ein knackig frischer 2015er Graburgunder vom Auerbacher Fürstenlager. Trotz 13,5% Alkohol wirkt er so leicht wie die Weine, die wir vorher verkostet haben. Seine Komplexität verdankt er dem Ausbau – ein kleiner Teil durfte in einem frischen Barrique-Fass gären, der größere Teil im Stahl-Fass. Nach der Vergärung wurden sie von Stahl umgeben zusammengefügt.

Dann probieren wir die 2014er Generation dieses Weines. Hanno und Michael sind sich schnell einig. Der 2014er hat für sie eine leichte Gummiboot-Note. Da bin ich raus. Ich habe noch nie in ein Gummiboot gebissen.

CRW_7915_webWir wechseln zu drei Bukett-Weinen, die mich total überraschen. Als gebürtiges Nordlicht in der Runde verbinde ich mit Weinen dieser Art immer etwas Getragenes, etwas Schweres. Und meine Erinnerungen an Gewürztraminer aus den frühen Neunzigern im Elsass rufen bei mir immer noch einen imaginären Zuckerschock hervor. Doch das alles – Vorurteile und Erfahrungen – muss ich jetzt zu den Akten legen.

Frisch, fruchtig, vielschichtig – aber nichts Getragenes oder Schweres. Eher leicht verspielt, perfekt für einen warmen Frühlingsabend im Garten oder auf der Terrasse – so präsentieren sich die drei Weine.

Zuerst erzählt ein Ehrenfelser, eine Rebsorte, die mir bis vor kurzem gänzlich unbekannt war, seine Geschichte. Er erzählt vom Auerbacher Rott und von viel Sonne. Dabei nimmt er sich aber gar nicht so wichtig und überzeugt vielleicht gerade deshalb.

Ein gelber Muskateller schließt sich an. Es ist ein so genannter Jungfernwein, also der erste gelesene Jahrgang des neuen Wingerts am Auerbacher Fürstenlager. Ein Spargelwein, sagt Hanno Rothweiler. Zart, sportlich, fruchtig.

Den Abschluss der Bukett-Weine macht der 2015er Gewürztraminer, gewachsen am Auerbacher Fürstenlager. Misstrauisch gehe ich zu Werke, ganz in Erwartung einen großmäuligen Angeber kennenzulernen. Aber der feinherbe Wein schlägt leise, feine Töne an – frisch mit viel Frucht.

Neugierig vom gerade Erlebten kehren wir noch einmal zum Riesling zurück, um einen 2014er mit einem 2015er Riesling Kabinett trocken zu vergleichen. Der 2014er ist ganz eindeutig der ältere Bruder, kommt aber mit weniger Säure daher und lädt augenzwinkernd ein, auch das reifere Semester mal genauer zu begutachten.

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Den 2015er Cabernet Sauvignon vom Auerbacher Fürstenlager hat Hanno als Weißherbst ausgebaut. Sehr trocken, denke ich. Das hat nix mit den Kaufhaus-Weißherbst-Sorten zu tun, um die ich immer einen großen Bogen schlage. Das ist ein Super-Sommer-Wein. Und nebenbei lernen wir auch mal wieder was. Ein Weißherbst ist die direkteste Art, einen Rosé zu erzeugen. Denn alle Bestandteile müssen von der gleichen Traube stammen – auch die zugefügte Süßreserve (Saft). Das ist beim Ausbau eines Rosé-Weins freier geregelt.

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Der 2015er Rotling ist der passende Nachfolger des Weißherbsts und sollte keinesfalls mit einem Rosé verwechselt werden. Der Rotling ist ein Verschnitt der von roten und weißen Trauben (Rosé ist ein Rotwein, der wie Weißwein ausgebaut wird) – in diesem Fall aus Portugieser und Müller-Thurgau. Das fruchtige Bukett wird von leichten Gerbstoffen begleitet, was ihn meiner Meinung nach noch interessanter macht.

„Da hatte ich echt Angst vor“. Eingeleitet von diesen Worten kredenzt uns der experimentierfreudige Winzer zum Schluss einen seiner ganz neuen Würfe. Es ist ein Sekt aus Primitivo Regent, weiß gekeltert. Betörer aller Frauen, taufe ich spontan diesen fruchtig-trockenen Sekt. Dann trinken wir die Flasche aus – in einer Runde, die inzwischen etwas angewachsen ist, Frauen sind aber keine dabei.

So, das war es. Fotografieren mussten wir zweimal. Beim ersten Mal war alles verwackelt, aber wirklich auch alles. Geschrieben ist der Artikel sicher nicht mit großem Sachverstand, aber mit viel Begeisterung. Und jetzt haltet euch nicht mit unseren Fehlern auf, sondern geht hin und probiert selbst am roten Turm in Auerbach. Und lasst die 2014er nicht außeracht. Die haben vielleicht nicht mehr die jugendliche Frische der 15er, aber da gibt es ganz schön viel zu entdecken. Und wenn die erst mal alle sind – ja, dann ist der Zug abgefahren. Denn so ist das eben, mit dem endlich Guten.

(Beim Schreiben u.a. gehört: „Amber Cascades“ von „Amercia“)

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Weiteres über Hanno Rothweiler in unserem Blog findet Ihr hier:

„Bodenständig bedeutet nicht stehen zu bleiben“
„Das Jahr im Wingert – Folge 1“
„Das wirklich beste Netz“

 

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