Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Und jetzt mal etwas ganz anders

Zu Besuch im Restaurant „Goldene Nudel“ in Ober-Ramstadt

„And now for something completely different.“ Mit diesem berühmten Satz der britischen Komiker-Truppe Monty Python lässt sich perfekt ein Artikel über das Restaurant „Goldene Nudel“ in Ober-Ramstadt einleiten. Warum? Weil es so ist.

Es beginnt schon damit, dass du nicht ein einziges Schild findest das auf die Goldene Nudel hinweist. Fast scheint es als würde sie sich in der Senke hinter der Shell-Tankstelle vor etwaigen Besuchern verstecken. Du musst schon als Eingeweihter wissen, dass die Hand der Fatima – hier eine blaue Hand mit dem darin liegenden Auge – als schützendes Symbol von dem Gebäude mit den Handwerker-Ateliers und dem Restaurant erzählt. Und hast du das Gebäude gefunden, so weißt du noch lange nicht, wo es rein geht. Aber machen wir es kurz: Folge uns einfach und halte dich links. Du wirst es nicht bereuen.

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

7316-7318_stitched-sm

Wir überqueren nämlich gerade die Modau über einen Steg und gelangen durch einen kurzen Flur in den Gastraum. Es ist früher Nachmittag. Gleich wird das Restaurant geöffnet. In Küche und Gastraum laufen die Vorbereitungen. Aber die ersten Stammgäste geben sich bereits ein Stelldichein. Darunter Michael Habeck, der Architekt und Städteplaner aus Darmstadt. Er ist mehrmals die Woche hier. Und er hatte 1983 auch die Idee aus der alten Nudelfabrik ein Kommunikations-Zentrum zu machen.

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

Werkstätten entstanden in dem leer stehenden Gebäude und ein Restaurant öffnete seine Pforten. Noch heute gelangen Gäste des Restaurants durch eine Verbindungstür direkt zu den Ateliers verschiedener Kunsthandwerker. Die erste Gastronomin, eigentlich eine Goldschmiedin, sorgte dann damals auch für die Namensgebung. Nudelfabrik und Goldschmiedekunst verschmolzen – die „Goldene Nudel“ war geboren. Als Angi und Ingo Hablik das Restaurant 1987 übernahmen änderten sie einiges, den Namen aber beließen sie.

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

Der Gastraum verleugnet nicht seinen industriellen Ursprung, präsentiert sich aber in einem sehr individuellen Einrichtungs-Mix – zwischen Kunstwerken auf der einen Seite und großen Metallsprossen-Fenster auf der anderen laden rustikale Möbel aus Holz und Metall zum Platznehmen ein. Nach draußen öffnet sich ein schöner Hof, bewachsen mit Wein und Rosen, eingefasst von hohen Fichten. Auf dem Basaltpflaster bieten weiße Stühle und Tische Platz für etwa vierzig Personen.

Garten_Montage

All das lässt uns ans ländliche Frankreich im Sommer denken. An das Atelier und den Garten eines Malers. An die Stimmung in den Filmen Eric Rohmers. Alles ist echt, aber so leicht. Ist also auch die Küche französisch? Die Antwort darauf ist ein unzweifelhaft eindeutiges auch.

Spätestens jetzt ist es Zeit mit unseren Gastgebern zu reden. Aber das gestaltet sich schwierig. Angi wirbelt in der Küche und Ingo wetzt durch die Gegend, findet dazwischen aber immer wieder Augenblick um unsere Fragen zu beantworten. Dazu serviert er uns Kuchen, den er von Freunden zum Geburtstag bekommen hat. Und wir servieren euch, was wir herausbekommen.

Weder Angi noch Ingo Hablik sind gelernte Köche oder Gastronomen. Er hat Sozialpädagogik studiert und sie hat im Staatstheater Darmstadt Schneiderin gelernt – war sogar für ein Jahr in Paris der Welthauptstadt der Mode. „Aber dann kam der Ingo, kam die Goldenen Nudel und seitdem habe ich noch nicht einmal mehr einen Knopf angenäht“, sagt sie.

Beide sind also leidenschaftliche Autodidakten auf dem Gebiet des Kochens. Michael Habeck wirft augenzwinkernd dazu ein, dass man am Anfang auch mal ››Na ja‹‹ sagen konnte. Aber da der Architekt hier inzwischen seit rund dreißig Jahren zum Inventar gehört bezieht sich der Kommentar wohl ganz eindeutig auf die Vergangenheit.

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

Bodenständige italienische und französische Kochkunst bildete anfangs sicher die Basis des kulinarischen Konzeptes, aber Inspirationsquellen findet das experimentierfreudige Ehepaarheute heute in allen Küchen der Welt. So gibt es jährlich ein arabisches Fest oder norditalienische und französische Abende. Wichtig ist beiden sich kulinarisch-kreativ auszutoben. Auf keinen Fall soll Geschmacks-Langeweile oder gar-Stillstand Einzug halten.

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

Und auch hinsichtlich der Produktqualität sind die beiden kompromisslos. Angi und Ingo Hablik legen großen Wert auf einen persönlichen Kontakt zu den Lieferanten. Schließlich wollen sie nachhaltig erzeugte, hochwertige Erzeugnisse aus der Region verarbeiten – ergänzt durch Spezialitäten von Produzenten aus Frankreich und Nord-Italien.

_MG_7485_aus-CR2

Das alles zeigt sich in dem sehr abwechslungsreichen Angebot auf der großen Tafel (eine Standard-Speisekarte gibt es nicht). Hier werden die Jahreszeiten kreativ aufgegriffen und saisonale Produkte, die frisch zubereitet und appetitlich angerichtet sind, geben den Ton an.

Vielleicht ist ja der Reichtum an Ideen, Einflüssen und tollen Zutaten der Grund dafür, dass es keine Außenwerbung für das Restaurant geben muss. Die Gäste erfahren von der Goldenen Nudel meist durch Mundpropaganda oder kommen immer wieder, weil es ihnen einfach gut schmeckt. Und viele dieser Gäste sind schon weit in der Welt herumgekommen und deshalb nicht nur offen für Neues, sondern geradezu auf der Suche nach dem, was sich am besten mit dem Satz von Monty Python umschreiben lässt: „And now for something completely different.“

Das Restaurant Goldene Nudel in Ober-Ramstadt

_MG_7302_aus-CR2

Alle Fotografien stammen von Wolfgang Merkle.

(Beim Schreiben u. a. gehört: „Chanson sans issue“ von Autour De Lucie)

————————————-

Lest mehr über die Goldene Nudel in Ober-Ramstadt:
Angis Farbenlehre
Leichte Sommerküche mit Rosenblüten

Kommentar hinzufügen

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wo wir weitere kulinarische Abenteuer erleben