Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Wasserspiele

zu Ehren des Schutzpatrons aller, die mit offenem Feuer hantieren.
Laurentiustag

Der zehnte August ist der Todestag des heiligen Laurentius, des Schutzpatrons der Köche und weiterer Berufsgruppen, die mit offenem Feuer zu tun haben. Seit 1987 ehren auch die Starkenburger Köche an diesem Tag den Märtyrer – dieses Mal in Reichelsheim.

 

Reichelsheim, sechzehn Grad, Regen. Die Frisur hält … wenn ein Schirm sie schützt. Vor der Reichenberghalle versammeln sich zahlreiche weiße Kochjacken und Mützen, gefüllt mit Köchinnen und Köchen – die Mundwinkel vom Dauerregen nach unten geschwemmt.

Laurentiustag

Laurentiustag

Kurz nach fünfzehn Uhr erhebt sich trotzig eine Schar Fahnen und Wimpel aus dem wogenden Meer der Schirme und setzt sich Bewegung. Mittendrin die Hauptsache: Eine kleine Holzstatue, die den zu ehrenden Heiligen darstellt. Angemessenen Schrittes bewegt sich der Zug von der Reichenberghalle durch die Gassen hinauf zur Michaelskirche.

Laurentiustag

 

Fünf Königinnen, eine Prinzessin, ein Fräulein und noch eine

Laurentiustag

Die Schirme entspannen und die Kirche füllt sich – geradezu majestätisch eine Bank voller vom Volk gewählten Landadels. Darunter die Odenwälder Apfelkönigin Sina I., Honigkönigin Pia Mester, die Odenwälder Apfelprinzessin Melanie I., Burgfräulein Franziska Steigleder, Vierburgenkönigin Sina I., die Odenwälder Kartoffelkönigin Julia I. und ihre noch nicht gekrönte Nachfolgerin und last but not least Rapsblütenkönigin Katharina I.. Doch reißen wir uns los und widmen uns dem ökumenischen Gottesdienst, der durch die Pfarrerin Mechtild Bangert und den Pfarrer Tomas Weyß zelebriert wird. Frau Bangert überträgt das Motto des diesjährigen St. Laurentius-Tags auf den Odenwald: Tischlein-Deck-Dich!

Laurentiustag

Laurentiustag

Laurentiustag

Im Anschluss verleihen Günter W. Fischer, Generalprior des Ordens für Deutschland und Europa, und Achim Kraus die Ehrenmedaillen. Verliehen werden die Goldene Medaille St. Laurentius an Uwe Horlitz und an Priester Tomas Weyß (Ehrenprior des Ordens des St. Laurentius, Laurentius Bruderschaft). Achim Kraus, Mitorganisator und erster Redner der Veranstaltung erhält die Laurentius-Tag-Medaille, die bisher nur viermal in Deutschland verliehen wurde. Vielleicht ist das der geeignete Moment um über St. Laurentius zu sprechen.

 

Die Legende

Rom. Wir schreiben das Jahr 258. Diakon Laurentius verwaltet im Auftrag von Papst Sixtus II. das Kirchenvermögen. Außerdem entscheidet er darüber, welche Almosen die Kirche an die Armen verteilt. Nun begibt es sich, das im ewigen Streit zwischen weltlicher und kirchlicher Macht, der Kaiser Valerian – spontan und wohl eher aus finanziellen Interessen denn aus religiösen – den Papst enthaupten und auch andere Vertreter der Kirche foltern und ermorden lässt. Ausgepeitscht wird Laurentius aufgefordert, das Kirchenvermögen an den Papst auszuhändigen. Und zwar innerhalb von drei Tagen, heißt es. Nicht ganz humorlos verteilt dieser aber das ganze Geld an die Bedürftigen. Gänzlich ohne Humor dagegen reagiert die Gegenseite. Der heutige Heilige wird gefoltert und am zehnten August des Jahres 258 auf einem glühenden Eisenrost ermordet. Seine letzten Worte richtet er vom Rost an den Kaiser: „Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein.“ Soweit die Legende. Aber aus diesem Grund ist der eiserne Rost Teil des Heiligenbildnisses und Laurentius der Schutzpatron derer, die mit offenem Feuer hantieren, wie der Köche und Bierbrauer und … und ….

 

Zurück ins nasse Jetzt

Nach Gottesdienst und Auszeichnungen geht es zurück durch den Regen in die Reichenberghalle zum Sektempfang. Reden werden geschwungen, Büffets geplündert und Kelche geleert, aber gegen siebzehn Uhr holt das Tagesgeschäft viele Köche wieder ein – das eigene Restaurant wartet, bei anderen dagegen bleibt die Küche heute kalt.

Laurentiustag

Laurentiustag

Laurentiustag

Und so endet der dreißigste Laurentiustag der Starkenburger Köche in Reichelsheim. Und vielleicht hat ja der Schutzpatron Laurentius den Regen geschickt, um mögliche Feuer, auch das der Eiferer, im Keim zu ersticken – wohl wissend, dass es wahre Größe braucht, um im Feuer Kühle zu finden.

Fotografiert und berichtet hat Pfarrerssohn Michael Frank – mit ein ganz kleinwenig wörtlicher Unterstützung durch Thomas Hobein.

(Beim Schreiben u.a. gehört: „Opus 132“ aus dem Album „Pieces In A Modern Style“ von William Orbit)

 

Kommentieren 17. August 2017

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