Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Proppevoll

Kleines Museum für alte Läden und Reklame
Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Was vor Jahrzehnten mit einem alten Emaille-Reklameschild begann, füllt heute mehrere Räume in Hammelbach (Grasellenbach). Wer diese private Ausstellung betritt und sich der Sammlung von Peter Heiß hingibt, wird unweigerlich in einen bunten Wirbel des Vergangenen hineingezogen.

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Vielleicht erinnern sich noch einige an die alte Science-Fiction Serie „Time Tunnel, die Anfang der Siebziger im Programm der ARD lief und mich eine Zeitlang davon abhielt, an Samstag-Nachmittagen Fußball zu spielen. Daran muss ich denken, als ich das kleine Museum betrete.

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Und an die Textzeile einer Schallplatte aus dem Phonomöbel meiner Eltern, abgespielt mit 45 U/min, versteht sich. „Meine Welt ist bunt“ sang Fred Bertelmann darauf in dem Lied „Der lachende Vagabund“. Aber diese Welt ist bunter, denke ich und weiß gar nicht wohin ich zuerst schauen soll. Überall gibt es etwas zu entdecken. Die Schleusen öffnen sich. Weitere Erinnerungen beginnen zu fließen. Aber nicht nur die eigenen. Diese Sammlung ist ein Ort der kollektiven Erinnerung. Ein Streifzug durch das letzte Jahrhundert, durch die Konsumgewohnheiten der Menschen im Odenwald, durch ihr Leben, ihre Gewohnheiten, ihre Sehnsüchte und das gelegentliche kleine bisschen Luxus.

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Selbstverständlich sind viele Dinge auch aus einer Zeit, in der an mich noch gar nicht zu denken war, nicht mal an meine Eltern. Es beginnt schließlich mit einem Laden und den zugehörigen Produkten und Werbemitteln aus der Zeit zwischen 1900 und 1933. Doch auch wenn du das alles nicht aus eigener Erfahrung kennst, hast du das Gefühl: Das gehört so. Das ist echt. Und das hat mit der Präsentation zu tun. Die gibt sich nämlich nicht akademisch korrekt katalogisiert, sondern leidenschaftlich. Natürlich ist alles weitgehend richtig zugeordnet – auch in der alten Drogerie oder in dem Gemischtwarenladen, wie er bis in die Fünfziger zu finden war – aber eben nicht mit dem kalten Auge des Wissenschaftlers. Hier hat auch das Chaos seine verdiente Chance, ohne das Leben nicht möglich wäre.

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Mein persönlicher Favorit ist allerdings der mintfarbige Laden aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Da gehen die Falten aus dem Gesicht und der kleine Thomas gibt dem Mann im weißen Kittel hinter dem Verkaufstresen das Rabattmarkenheft und den Einkaufszettel, den ihm seine Mama geschrieben hat – selbst schreiben kann er ja noch nicht. Der Mann revanchiert sich mit einem roten Lutscher und diktiert seinen Verkäuferinnen, was sie für den jungen Kunden aus dem Regal holen. Und jetzt fällt mir sogar der Name des Mannes wieder ein.

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Bilder erzeugen eben Bilder. Und diese Sammlung ist vollgepfropft damit – dort, wo man bestimmt nicht damit rechnet. Im tiefsten Odenwald. Im Ortsteil Hammelbach der Gemeinde Grasellenbach.

www.alte-laeden-reklame-museum.de

info@alte-laeden-reklame-museum.de

Wer nun auch mal in das kleine Museum für alte Läden und Reklame abtauchen möchte, sollte persönlich einen Termin vereinbaren, denn regelmäßige Öffnungszeiten gibt es nicht.

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Kleines Museum für alte Läden und Reklame

Fotos: Thomas Hobein

(Beim Schreiben gehört: Das Album „A Head Full of Dreams“ von Coldplay)

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