Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Respekt

Ökologische und soziale Landwirtschaft Hand in Hand
Weiße Hube, ökologische und soziale Landwirtschaft, Bioziegenkäse, Ziegenkäse

Das Miteinander von Mensch und Natur wird ja inzwischen glücklicherweise oft thematisiert. Aber das Miteinander von Mensch und Mensch fällt oft genug unter den Tisch. Insbesondere dann, wenn Menschen mit Beeinträchtigungen ins Spiel kommen. Dass es aber auch da ganz natürliche Wege und Möglichkeiten der Zusammenseins und gemeinsamer Arbeit gibt, zeigt sich in Momart im Odenwald. Was dabei heraus kommt ist übrigens Käse – und zwar ein echt klasse Bio-Ziegenkäse.

 

Wir fahren von Bad König durch den Wald nach Südosten hoch in den Ortsteil Momart. Kurz vor dem Ortausgang erreichen wir die Weiße Hube. Das ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der bereits seit 1650 in Familienbesitz ist. Doch jetzt  – in zwölfter Generation – hat die Familie Trumpfheller Entscheidendes verändert. Seit 2008 bewirtschaften sie die Hube (süddeutsch für Hufe, also heute für Bauernhof; früher war es ein Flächenmaß, das im Prinzip von einer Familie bewirtschaftet wurde) nach ökologischen Maßstäben. Das Futter für das Gelbvieh (Rinderrasse mit gut marmoriertem, zartem Fleisch) und die Ziegen erzeugen sie selbst. Und nach einer zweijährigen Umbauphase produzieren sie seit 2016 auf ihrem Bioziegenhof verschiedene Sorten Ziegenkäse.

 

Bio und auch noch sozial – das geht

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Als wir auf den Hof fahren erwartet uns bereits Werner Niebel. Ich ihn bereits einige Wochen vorher getroffen und mit ihm über die Weiße Hube und das Konzept der sozialen Landwirtschaft gesprochen. Er hat erzählt, wie Sabine und Hans Trumpfheller das alles unter einen Hut bekommen. Und von der Kooperation mit der Integra, der gemeinnützigen Gesellschaft für die Integration und Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen im Odenwaldkreis. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs arbeiten sechs Frauen und Männer in diesem Team mit den Tieren.

Weiße Hube, ökologische und soziale Landwirtschaft, Bioziegenkäse, Ziegenkäse

Sie heißen Alicia, Dagmar, Lukas, Michaela, Meike und Werner. Und sie freuen sich, dass wir da sind, um sie kennenzulernen und um über ihre Arbeit zu berichten. Ich frage, ob alle einverstanden sind, dass ich sie bei der Arbeit fotografiere. Und alles sagen ja. Dann legen sie los. Sie haben ja zu tun. Und die Ziegen wollen raus aus dem Stall. Aber so was von. Lukas öffnet das Tor. Ziegen-Stampede. Die Viecher wissen genau, wohin sie wollen und wo Leckeres unter den Apfelbäumen auf sie wartet. Als die Tiere raus sind wird der Stall in Ordnung gebracht. Es wird gefegt und Futter gerecht im Raum verteilt. Als alles erledigt ist, wollen die Ziegen auch schon wieder rein. Draußen sind die Leckereien wohl vertilgt und drinnen wartet das frisch angerichtete Futter.

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Dagmar zeigt uns jetzt den Raum, in dem gemolken wird. Sie erzählt, wie die Ziegen mit Futter gelockt werden und diese sich auch bereitwillig locken lassen, aber hin und wieder doch mal quer stellen und (ziegen)-bockig den Ablauf stören.

 

Über zehn Sorten Ziegenkäse

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Inzwischen hat sich Meike umgezogen. Jetzt ganz in weißer Arbeitskleidung führt sie uns den Raum, in dem der Käse verpackt wird. Da steht schon ein Brett mit allen Sorten darauf. Hans Trumpfheller stößt jetzt dazu. Hände werden geschüttelt und dann, dann wird probiert. Mein Favorit heißt Tomme und ist ein Hartkäse, der ein wenig an Parmesan erinnert (habe ich unlängst auch für Wurst-Käse-Salat empfohlen). Wir erfahren viel über die Chancen und Risiken der Bioziegenkäserei und beschließen demnächst die Sorten an anderer Stelle vorzustellen. Jetzt nur so viel dazu: Der Hofladen hat ist im Winter täglich von 17:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Weiße Hube, ökologische und soziale Landwirtschaft, Bioziegenkäse, Ziegenkäse

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Vom Gebabbel bei Appelsaft direkt aus der Kelter

Weiße Hube, Keltern, Äpfel, soziale Landwirtschaft

So, da die Backentaschen jetzt gefüllt sind, gesellen wir uns nach draußen wieder zum Team, das gerade die wohlverdiente Pause macht. Wir setzen uns dazu und quasseln, sorry babbeln, miteinander. Dazu serviert Hans Trumpfheller einige Proben vom Hochprozentigen, gebrannt aus eigenem Obst. Ich habe das Glück, nicht fahren zu müssen, übertreibe aber auch nicht.

Lukas ist Fußballfan, Pokalsieger Eintracht Frankfurt sein Verein. Chef Trumpfheller ist eher für Bayern. Das liefert genug Stoff herumzualbern. Alicia weiß so ziemlich alles über Hunde und von Michaela erfahren wir, dass sie aus gesundheitlichen Gründen im Winter nicht in Momart arbeiten kann, aber sich dann immer auf die wärmeren Tage freut, wenn sie auf dem Bioziegenhof wieder mit anpacken darf.

Inzwischen bereiten Dagmar und Werner die Kelter vor, die anderen waschen die Äpfel. Werner Niebel ist ein ehemaliger Landwirt, der aus gesundheitlichen Gründen heute andere Wege geht und sich vielfältig engagiert. Ihm ist wichtig, dass hier auf dem Hof Inklusion nicht nur ein Programm ist, das täglich abgearbeitet wird. Inklusion wird hier gelebt. Jeder tut gerne, was er kann – vielleicht auch gerade deshalb, weil in Momart niemand unterfordert wird.

Weiße Hube. Keltern, Äpfel, soziale Landwirtschaft

So, aber jetzt werden Äpfel gekeltert und der Saft dann von allen probiert. Lukas weiß, dass zu viel davon nicht gut ist und warnt wissend grinsend davor. Und ich … ich denke mal wieder an Goethes Osterspaziergang: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.

Fotografie: Thomas Hobein

(Beim Schreiben gehört: Look Up Childvom gleichnamigen Album der Sängerin Lauren Daigle)

 

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