Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Die Trepp nuff unn dann rechts

Ein kurzer Besuch der Lebkuchenbäckerei Baumann in Beerfurth

Es waren wohl die Franzosen, die während eines längst vergessenen Krieges, diese Gebäckspezialität in den Odenwald brachten. Die Franzosen gingen wieder, der Lebkuchen blieb. Und in Folge dessen entstanden sechzehn Lebkuchenbäckereien in der Region. Davon ist wenig geblieben. Doch die älteste der Bäckereien feuert in der Vorweihnachtszeit den Ofen an. Denn bei den Baumanns in Reichelsheim-Beerfurth wird seit 1785 Lebkuchen gebacken und ein Ende ist nicht abzusehen.

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Es ist acht Uhr morgens und saukalt. Michael Frank betritt durch die große Einfahrt den Hof. Geradeaus liegen die Ställe, rechts geht es in das Wohnhaus und links führt eine Treppe hinauf in die Backstube. Gebacken wird nur von Ende August bis in den Dezember. Ansonsten führt hier die Familie Baumann ihren landwirtschaftlichen Betrieb.

Michael erklimmt die enge, steile Treppe hinauf zur Backstube. Es duftet nach Weihnachten. Nach Anis. Je nach Tageszeit und je nach dem, was gerade gebacken wird erfüllt immer ein anderes Aroma den Raum. Das kann mal Kokos sein, mal Lebkuchengewürz oder auch mal der scharfe Ammoniakgeruch, den das Hirschhornsalz, ein für Lebkuchen typisches Backtriebmittel, wenig rücksichtsvoll verbreitet.

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Dann betritt der Mann, der im Auftrag des endlich Guten unterwegs ist, die Backstube der Familie Baumann. Hier herrscht bereits Hochbetrieb. Es ist eng und die ersten Kunden bilden eine Schlange mitten im Geschehen. Der Verkaufsraum befindet sich nämlich erst hinter der Bäckerei. So zieht sich zu mancher Stunde eine Schlange die Treppe hinauf, durch den Arbeitsbereich bis zum Verkauf. Und dazwischen tänzelt die emsige Schar der Lebkuchenmacher mit Mehlsäcken, Backblechen und anderem hindurch.

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Willi Baumann, der Ältere, entdeckt Michael Frank. Man kennt sich bereits vom ersten vorbereitenden Besuch. „Michael,“ sagt er, „hörst du das Gemurmel hier drin? Wenn das so gleichmäßig ist und immer mal ein Lachen dazwischen, dann kannst Du sicher sein, die Stimmung ist gut.“ Und tatsächlich. Irgendeiner redet immer. Irgendeiner ruft immer mal wieder: Vorsicht mal, bitte. Oder macht einen Witz und es wird gelacht. Man zieht sich gegenseitig und auch die Kunden auf. Aber immer nett mit guter Laune.

Inmitten des Trubels thront der Senior auf seinem Hocker vor dem alten Backofen, weiß wann Gebackenes aus dem Ofen muss, was wieder rein kann und erledigt das dann auch selbst. Seit neunundvierzig Jahren backt er jetzt Lebkuchen. 2007 hat er das Geschäft an seinen Sohn Willi übergeben. Und Willi Baumann, der Jüngere, macht da weiter, wo sein Vater längst noch nicht aufgehört hat.

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Frisch gemacht wie früher

Auch in der elften Generation wird hier das Weihnachtsgebäck noch traditionell ohne Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder Haltbarkeitsverzögerer hergestellt. Und das Rezept der hauseigenen Gewürzmischung für die Lebkuchen? Das wird von Generation zu Generation weitergegeben. Das kennen nur der Willi und Willi.

Und alles ist Handarbeit bei den Baumanns. Der Teig wird mit einer handbetriebenen Walze plattgenudelt, von Hand ausgestochen, dann gebacken und – wieder von Hand – glasiert. Die wenigen, dazu notwendigen Geräte haben schon so einige Jahre auf dem Buckel und benötigen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keinen Strom. Teigwalze, Ausstecher, Modeln aus Kirschholz oder die Waage, auf der das Gebäck in Tütchen abgewogen wird – alles steinalt und voll funktionsfähig. Nur die alte Rührmaschine musste vor einiger Zeit durch eine neue ersetzt werden – es gab einfach keine Ersatzteile mehr.

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Kaum da und schon wieder weg

Michael schiebt sich mit der Kamera an der Schlange vorbei in den Verkaufsraum. Hier schwingt Hilde Baumann gelassen und freundlich das Zepter. Und hier bekommt jeder, was er will – frisch aus dem Ofen. Denn sobald es ausgekühlt ist, wird es verkauft. Und wie gesagt, für Lebkuchen, Magenbrot, Spritzgebäck, Kokosmakronen, Anisplätzchen und … Hausmacherwurst aus eigener Herstellung stehen die Leute geduldig an, sagen Frau Baumann, was sie wollen und bekommen es von ihr. Routiniert addiert sie dann die Rechnung auf kleinen gelben Zetteln, sagt, was es kostet und keiner meckert.

Wie alle anderen Kunden verlässt auch Michael Frank mit einer Tüte voller Gebäck die elfköpfige Mannschaft, von denen vier Baumann heißen – Hilde, Isabell, Willi und Willi. Sie alle haben noch ein volles Programm bis Weihnachten. Dann kehrt Ruhe in die Backstube ein und das Feuer im Ofen erlischt bis zum kommenden September. Nur einmal in der Zeit um Pfingsten herum wird der Ofen zwischendurch befeuert. Während der Hauptwallfahrtszeit in Walldürn werden extra für diesen größten eucharistischen Wallfahrtsort Anisplätzchen aus Bisquitteig gebacken, die Walldürner Schießerli.

Aber jetzt freut sich der ältere der beiden Willis erst mal ganz besonders auf den Beerfurther Lebkuchen- und Weihnachtsmarkt. Der findet jedes Jahr am zweiten Adventswochenende auf dem Beerfurther Marktplatz statt, also direkt vor der Lebkuchenbäckerei.

Und wer Lust hat 2015 auch dabei zu sein: Der Beerfurther Lebkuchen- und Weihnachtsmarkt findet am 05. und 06.12.2015 statt. Geöffnet ist am Samstag von 14:00 bis 22:00 Uhr und am Sonntag von 11:00 bis 20:00 Uhr

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Fotografiert und gebabbelt hat Michael Frank in der Lebkuchenbäckerei Baumann und im digitalen Fotolabor hat Thomas Hobein gewerkelt.

(Beim Schreiben gehört: „Happy Holidays“, das Weihnachtsalbum von Billy Idol)

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu “Die Trepp nuff unn dann rechts

  1. Rudolf Decker

    Alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

  2. Herbert Mende

    Für mich ist er der Beste handgemachter Lebkuchen im Universum.
    Den Baumanns noch allzeit gutes Gelingen und noch eine lange Zukunft.

  3. Brigitta Martine

    Der Ansturm in der Schokoladenfabrik und beim Lebkuchenbaumann ist groß
    besonders in der Vorweihnachtszeit ist da richtig was los
    Menschenmassen und Autogedrängel in kleinen Gassen
    welche können nicht Auto fahren, welche nicht parken..ich kanns nicht fassen.
    Die Menschenschlange steht durch de Backstub meterlang,da wird es einen Angst und bang.
    Man meint jeder möchte Schokolade und Lebkuchen horten
    und das in vielen verschiedenen Sorten.
    Wer also Lebkuchen und Schokolade liebt,der sollte sich aufmachen „nach Beerfurth“
    weil es dort die besten Sorten gibt.
    Schnell noch beim Getränke Krämer rein,Apfelglüh..auch sehr fein.
    Die besten Lebkuchen weit und breit, die gibts in Beerfurth zur Weihnachtszeit.
    Allzeit gutes Gelingen wünscht B. Martine

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