Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Augenschmaus

Juli im nördlichen Odenwald
Ringelblumen vor Hering

Das Auge isst mit, es kann sich satt sehen, wirft hungrige Blicke und verschlingt, was es sieht. Ein wahrer Vielfraß ist dieses Sinnesorgan. An einem Julitag habe ich es im nördlichen Odenwald mal so richtig futtern lassen – sozusagen ein visuell-kulinarisches Abenteuer erleben lassen.

 

Anfang Juli. Es ist so gegen elf Uhr vormittags. Ich verlasse das Büro meiner Steuerberatung in Eppertshausen und blicke nach oben. Da hängen unzählige Wattebäuschchen vor tiefem Blau. Was für Wolken, denke ich. Spontan beschließe ich deshalb, einige davon zu fangen. Fotografisch, versteht sich. Schnell denke ich mir einen ganz prima Umweg aus, der mich so überall hinführen kann, nur nicht zurück nach Darmstadt. Also lade ich die Kamera durch und zuckele los – immer hin- und hergerissen zwischen der Rolle als aufmerksamer Verkehrsteilnehmer und Hans Guck-in-die-Luft.

 

Wie ein geduldiger Jäger

Und während ich so durch die Landschaft in Richtung Babenhausen pirsche, entblödet sich mein Gehirn natürlich nicht, Reinhard Mey abzuspielen. Das ist ein wenig so wie bei Amazon. Kunden, die Wolken angesehen haben, haben auch „Über den Wolken “ gehört. Will ich aber nicht, sage ich zu mir und drehe das Radio auf. Belangloses Gewummer vertreibt den Chansonier recht schnell und nachhaltig.

In Babenhausen biege ich in Richtung Schaafheim ab. Da führt die Straße durch den Wald – keine Chance zum Fotografieren. Von dort aus geht es so etwa süd-westwärts den Berg rauf. Ich passiere Schlierbach und Kleestadt. Wolken überall über mir und im getönten Rückspiegel meines Autos präsentieren sie sich noch eindrucksvoller. Aber meine Augen haben irgendwie Appetit auf  anderes. Weiter geht es. Es geht durch Klein-Umstadt, dann durch Groß-Umstadt, schließlich in Richtung  Habitzheim.

 

Am Taubensemd von Habitzheim

Ringelblumen am Taubensemd von HabitzheimPlötzlich schreit mein Hirn: Orange. Orange? Hier? Wie auf der Red Bull Rennstrecke in Spielberg, wenn tausende Holländer in orangefarbenen Shirts Max Verstappen anfeuern. Ich parke auf einem Feldweg, schnappe mir die Kamera und trete vor die signalfarbene Fläche. Die Holländer entpuppen sich als ein ganzes Feld voller Calendula officinalis, also Ringelblumen. Nicht dass ich das erkannt hätte, aber meine Smartphone-App „PlantSnap“ verrät es mir.

Ringelblumen am Taubensemd von Habitzheim Ich bin am Ziel meiner heutigen Jagd und meine Augen können sich nicht satt sehen. Was wollen die auch mehr als diese unerwartete Farbenpracht. Und darüber … darüber hängen bräsig die fettesten Wolken. Also mache ich mal ein paar Bilder.

Blickt man über das Blumenfeld nach Süden erhebt sich am Horizont der Otzberg mit der darauf liegenden gleichnamigen Veste und dem umgeben Ort Hering. Ich beschließe das Bild „Ringelblumen vor Hering“ zu nennen und freue mich diebisch über diese Eingebung. Denn das kapiert wenigstens niemand in Castrop-Rauxel. HiHi.

Ringelblumen vor HeringIn Richtung Norden ist Orange Fehlanzeige, aber Augenfutter auch hier. Ein Kornfeld steht da wie eine Wand vor dem Himmel und einige Bäume an den gemähten Wiesen erinnern eher an die afrikanische Savanne als an Südhessen.

Kornfeld am Taubensemd von Habitzheim Ich befinde mich übrigens am Taubensemd von Habitzheim, einem etwa zweiunddreißig Hektar großen Naturschutzgebiet zwischen Semd im Norden und Lengfeld im Süden. Leider wartet im Büro noch Arbeit auf mich, aber ich werde das hier demnächst erkunden. Sehr demnächst sogar.

Juli im nördlichen Odenwald Doch jetzt verlasse ich den prima Umweg und rausche unter den südhessischen Wolken zufrieden in Richtung Darmstadt an den Schreibtisch. Dabei fällt mir ein, dass ich mich im Flieger auch heute noch jedes Mal wundere, dass man auf den Wolken nicht laufen kann. Und … dass ich mich immer noch nicht satt gesehen habe. An diesem Julitag im nördlichen Odenwald.

Veste_Otzberg_im_Juli Fotografie: Thomas Hobein

(Beim Schreiben gehört: „The Birds Are Singing At Night“ von Lord Huron, dass ist die Musik aus dem Super-Film „Picknick mit Bären“)

 

 

 

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