Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Claudias Ziegenkinder

Neues vom Selbstversorger-Hof Ladbacken in Schweden

Im September 2019 habe ich über Claudia Weber berichtet, die 2011 aus Groß-Umstadt nach Schweden ausgewandert ist, um dort auf ihrem Hof möglichst autonom zu leben. Längst berichtet sie über ihr Dauer-Abenteuer unter EndlichSelbstversorger auf verschiedenen Social Media Kanälen (Facebook, Instagram und YouTube). Und jetzt hat sie ein Buch geschrieben, dass sich an alle kleinen und großen Leser/innen richtet. Zeit mal wieder mit ihr zu plaudern – über das Buch, über die Geburt von Zicklein und überhaupt.

Zwei Ziegenböcke, Tanngnjostr (Zähneknirscher) und Tanngrisnir (Zähneblecker), werden in der Nordischen Mythologie auch Thors Böcke genannt. Sie ziehen den Wagen des Donnergottes über die himmlischen Straßen. Und vielleicht rasen sie gerade hoch über dem schwedischen Kopparberg durch die Luft während ich mit Claudia am Telefon über die Geburt ihrer Zicklein und das Buch babble. Liegt doch nahe. Also echt jetzt.

 

Bevor es losgeht einiges über Ziegen


Wie immer beginne ich die Recherchen zu neuen neue Artikel mit dem Grundsätzlichen. Was nun Ziegen betrifft, bin ich nicht gänzlich unvorbereitet. Erstens hatten meine Großeltern selbst welche und dann habe ich ja schon mehrfach die Bio-Ziegenkäserei „Weiße Hube“ in Bad König Mommart besucht. Nun, Ziegen sind eine der ältesten Haustierrassen. Unter den Tieren sind sie richtige Feinschmecker und echte Gauner. Sie finden jede Schwachstelle im Zaun, öffnen Türen und überraschen ihre Besitzer unter Umständen mit – sagen wir – außergewöhnlichen Ideen. Sie lernen ziemlich schnell, vor allem wenn zu ihrem Vorteil ist. Die weibliche Ziege bezeichnet man als Geiß (ihr kennt den Geissenpeter aus Heidi) oder Ziege; die männliche Ziege als Bock. Jungtiere nennt man Kitz, Ziegenlamm, Zicklein oder Hippel. Die geselligen Bartträger können tiefe Freundschaften entwickeln, auch mit anderen Tierrassen oder sogar mit Menschen, was beim Aufziehen von Flaschenlämmern schwierig werden kann.

 

Wenn der Nachwuchs kommt

Es ist Ende März. Während an der Bergstraße bereits die Mandelbäume blühen, kehrt das Leben weiter nördlich noch zurückhaltender in die Natur zurück. Aber auch dort endet bereits im März die geburtsstarke Zeit der Ziegen, die im Januar beginnt. Claudia hält auf ihrem Hof eine etwa zehnköpfige Ziegenbande, die von Wotan und Lisa angeführt wird. Zum Zeitpunkt unseres Telefonats sind bereits neun Zicklein in dieser Saison dazugekommen, zwei lassen sich wohl noch etwas Zeit.

Claudia hatte mir geschrieben: „Hej hej. Ich habe gerade deinen schönen Artikel über die Schafe gelesen und erkenne da vieles wieder. Vor allen Dingen das Kapitel mit den Problemkindern. Deswegen habe ich auch die Schafe abgeschafft und habe nur noch Ziegen. Schafe verstoßen Lämmer wohl viel eher als Ziegen ihre Zicklein. (…)“

Stimmt, denke ich, in meinem ersten Beitrag findet ihr noch Schafe in der Aufzählung der Tiere, die Claudia hält. Sie schrieb weiter: „Die Geburtssaison ist eine wirklich schöne Zeit.  Am liebsten würde ich die ganze Zeit im Stall verbringen. Es ist einfach wunderbar die Kleinen Räuber hüpfen und springen zu sehen. Aber trotzdem schwingt beim zusehen gleich Wehmut mit, da ich weiß, dass die kleinen Böcke nicht alt werden. Deshalb versuche ich auch, emotional Abstand zu halten. Sie bekommen keine Namen.  Aber trotzdem habe ich die kleinen Räuber sehr gerne. Für mich ist das mit dem Schlachten nicht leicht. Die Böcke werden meist im Herbst/Winter geschlachtet. Vier Lämmer brauche ich für meinen Fleischvorrat. Sie dürfen also einen Sommer lang leben.“

Von den weiblichen Zicklein verabschiedet sie sich in der Regel recht schnell, aber mit einem besseren Gefühl. Denn die verkauft sie an andere Höfe, die Ziegen halten. Sie erzählt, dass auch immer wieder Privatleute aus der Großstadt versuchen, ihr Lämmer abzuluchsen – für den Osterbraten. Aber die kriegen keins. Und natürlich geht es nicht spurlos an ihr vorbei, wenn die Mütter nach den verkauften Kleinen schreien. Das legt sich in der Regel nach etwa drei Tagen und dass nicht alle Mütter klagen, sagt sie. Gerade die Erfahrenen scheinen oft eher froh, wieder ihre Ruhe zu haben.

Um ihnen diese Erfahrung zu ermöglichen, versucht Claudia in der Regel, dass Erstgebärende den ganzen Sommer mit ihrem Nachwuchs verbringen können. Meistens bekommen diese jungen Mütter auch nur ein Zicklein. Später sind es in der Regel zwei, manchmal aber auch drei Lämmer. Und dann kann es problematisch werden, denn die Ziege hat im Gegensatz zur Kuh nur zwei Zitzen.

 

Drei sind eine(r) zu viel

Wie gesagt, Ziegen verstoßen nicht so schnell ihre Kinder, aber dadurch kann es eben auch zu Problemen kommen. So bekam Herdenchefin Lisa vor einigen Jahren tatsächlich auch drei Zicklein. Sofort ging der gierige und auch rücksichtslose Tanz um die zwei Zitzen los. Lisas Euter wurde verletzt. In Folge dessen musste Claudia ihre Lisa von den hungrigen Drillingen trennen, bis der Euter nach drei Wochen wieder verheilt war. In diesen Wochen versorgte sie die Racker aus der Flasche. Und dabei ist Zicklein Amelie ihr ans Herz gewachsen und sie durfte bleiben, während die zwei Geschwister verkauft wurden.

Sie war so voller Lebenskraft, neugierig und aufgeweckt. Leider hatte sie aber wohl einen Genfehler. Denn als sie ihr erstes Zicklein gebar, war es nicht lebensfähig. Amelie überlebte wie durch ein Wunder, aber im Folgejahr Jahr ging es nicht mehr gut. Das Zicklein war an der Gebärmutter festgewachsen.

Claudia dazu: „Ich hatte gehofft, das es dieses Mal klappt. Aber weil wir das Zicklein nicht herausbekamen, waren wir gezwungen sie zu töten. Es hat mir fast das Herz gebrochen. Ich hab viel geweint. Daher habe ich mein Buch Amelie gewidmet, auch wenn ich über das Schaf Elsa schreibe.“

 

Die wahre Geschichte des Lämmchens Elsa

Letztes Jahr hielt Claudia noch Schafe auf ihrem Hof und musste drei Flaschenlämmer auf Ladbacken aufziehen, eins davon namens Elsa. In ihrem Buch „Die wahre Geschichte des Lämmchens Elsa“erzählt sie von dieser problematischen Begebenheit in sehr emotionaler Weise. Sie bezeichnet die Geschichte wegen ihrer Zeichnungen und einer einfachen Sprache als Kinderbuch, denkt aber, dass auch große Leser so einiges über das Verhalten der Schafe herausfinden können.

Der Klappentext fasst den Inhalt zusammen.

 „Lämmchen Elsa wird von seiner Mutter verstoßen. Dem Tode nahe, erscheint ihm die Regenbogenbrücke und mit ihr das Lamm Emma, das sie abholen will ins Sommerland mit den ewig grünen Wiesen. Doch Ziegenfrau Claudia kann das verhindern, und so erlebt Elsa einige Abenteuer auf einem schwedischen Bauernhof mitten im Wald: Sie darf auf einem Waldmotorrad fahren, schwedische Ostern feiern, in einer richtigen Dusche duschen und sogar mit im Haus wohnen.

 Dieses Buch ist für Groß und Klein: Kinder und Erwachsene bekommen Einblicke in das Leben auf einem Bauernhof mit Schafen und Ziegen. Claudia Weber erzählt die wahre Geschichte eines ganz besonderen Flaschenlamms, die sich auf ihrem schwedischen Waldhof Ladbacken ereignete – eine Geschichte von Liebe, Freundschaft und Vertrauen.

 Die liebevollen Zeichnungen der Autorin untermalen die Erzählung.“ 

All das hat sie beim Schreiben ihres Buchs verarbeitet und die Schafe abgeschafft. Ex-Lamm und Jetzt-Schaf Elsa blökt heute auf einem anderen Hof, aber leider immer am lautesten, wie Claudia sagt.

Das Buch ist voraussichtlich ab Mai 2021 bei Amazon erhältlich und wird wohl etwa 9,00 Euro kosten. Seht einfach nach und kauft’s euch gefälligst.

 

Fazit

Das Leben auf Ladbacken ist kein Ponyhof. Aber das ist Claudia völlig klar. Gerade auch, dass die emotionale Bindung, die sie zu den Tieren aufbaut, es nicht wirklich leichter macht. Sie sagt aber: „Ich will es gar nicht anders haben. Emotionen sind gut, denn da merkt man dass man lebt. In Frankfurt im Büro war alles sicher, keine Abenteuer, keine Verluste. Aber lebendig habe ich mich da nicht gefühlt.“

Und ich? Ich hoffe, Tanngnjostr und Tanngrisnir suchen mich nicht heim, wenn ihnen mein Text nicht gefällt. Über die Selbstversorgerin Claudia Weber. Auf Ladbacken. Im schwedischen Wald. Geschrieben in Hessens tiefem Süden.

 

Fotos: Claudia Weber

(Beim Schreiben u.a. gehört: „Lord of The Rings“ von Bo Hansson aus dem Jahr 1972. Leider habe ich das Album vor Jahren verkauft und muss nun auf das Angebot von YouTube Zurückgreifen)

 

Wer mehr über Claudia erfahren möchte sollte ihren Kanal auf YouTube besuchen

Mehr Endlich! Gutes. über Claudia Weber

 

 

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