Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Steckrübe, Rosenkohl, Marone

Eine Suppe, so bunt wie eine Wanderung durch den Odenwald im Herbst
Odenwald im Herbst, Rodensteiner Burgwald

So ein sonniger, aber kühler Tag im Herbst lockt dich einfach nach draußen in den Wald. In den Odenwald. Und wenn du dann wieder nach Hause kommst, wärmt dich nicht etwa eine Tiefkühlpizza, wie im Werbefernsehen propagiert, sondern eine heiße Suppe – so bunt wie die Natur selbst in dieser Zeit. Ich sage nur Steckrübe, Rosenkohl und Marone.

 

Bewegungsdrang an schönen Tagen? Ja, aber bitte moderat. Also bedarf es einer gewissen Planung um Überanstrengungen zu vermeiden. In der App „Outdooractive“ fand ich auf meinem IPad die „Vatertagstour 2019 Odenwald Laudenau-Freiheit“. Sechs Kilometer. Eineinhalb Stunden. Kann man machen, dachte ich. Und schon saßen wir im knallrotem Polo auf dem Weg nach Reichelsheim-Laudenau.

 

Eine verkorkste Wanderung in goldenem Licht

Start dieser Vatertagstour war nämlich der Wanderparkplatz an der Freiheit in Laudenau. Bis dahin lief alles bestens. Doch„von da an ging’s bergab“, wie Hildegard Knef einst intonierte. Tatsächlich aber ging es zuerst bergauf zum Wildweibchenstein, doch das hatte wenig Einfluss den weiteren Verlauf der Wanderung. Denn aus der Tour „Freiheit, Wildweibchenstein, Rimdidim, Burgruine Rodenstein, Hofgut Rodenstein, Fallbacher Wasserfall, Freiheit wurde eine Odyssee. „Shazbot“, hätte Mork vom Ork gesagt.

So ist das nun mal, wenn die Frau eine Karte nicht lesen kann und der Mann alles besser weiß als die Karte. Und anders als bei einer Mathe-Arbeit in der Schule werden Folgefehler beim Wandern auf dem Fuße bestraft. Wenn du falsch abbiegst, musst du weiter laufen und deine coole Wander-Joppe wird zum Büßergewand.

Statt geplanter eineinhalb Stunden waren wir dann drei Stunden unterwegs. Von wegen moderat. Du merkst jedes Gramm deiner Corona-Wampe, das du im Home-Office angespart hast. Es ging nämlich ständig ruff un runner oder nuff und nunner – je nachdem von wo man hier wech ist  – jedoch meistens nur ruff oder nuff. Röchel.

Und dann noch der Fallbacher Wasserfall. Direkt davor fragte uns ein Tourist, wo denn der Wasserfall sei. „Tja“, sagte ich mit Blick auf den feuchten Felsen und dachte an eine prähistorische Kondensmilch-Werbung: „Dröpje for Dröpje Kwaliteit“.

Aber das Licht und die Farben im Wald … das Licht und die Farben im Wald waren toll. Und natürlich auch die Suppe.

 

Immer eine gute Suppe

Eine gute Suppe ist Soulfood. Sie wärmt deine geschundene Seele ebenso wie deine kalten Füße – ob nun voller Fleischbatzen oder vegan. Aber eine gute Suppe kommt niemals aus der Tüte oder aus der Dose von Schweizer Konzernen. Sie ist selbstgemacht aus frischen Zutaten. Die im folgenden Beschriebene ist ein deftiger Eintopf für die kühlen Tage des Jahres, in dem sich tolle Zutaten treffen und sich perfekt ergänzen. Und wie das bei Eintöpfen nun mal so ist, schmeckt der am nächsten Tag noch besser. Wenn noch was da ist.

Die Hauptakteure dieser Suppe sind typische Vertreter des Herbstes – Steckrübe, Rosenkohl, Marone. Dazu gesellen sich sättigende Kartoffeln und Mettenden. Selbstverständlich kann man diese Suppe auch rein vegetarisch/ vegan zubereiten. Dann lässt man Speck und Wurst eben weg und ersetzt das Schweineschmalz durch Pflanzenöl. Aber ich als Vertreter des modernen Carnivorismus lasse nix weg und ersetze schon gar nichts.

 

Über Oldenburger Südfrüchte

Steckrüben – so der wahre Name – habe ich als Kind nie bekommen, weil sie meine Großeltern und Eltern an die Zeit des Mangels nach dem Krieg erinnerten. Und mangeln sollte es mir doch nun an nichts. Also musste ich sie selbst entdecken, die Steckrüben. Aber das geschah erst zu der Zeit als der Niedersachse längst zu einem Hessen mutiert war.

Diese runden Rüben sind von außen je nach Sorte grün bis gelblich, manche Sorten auch rötlich. Ihr meist gelbliches Fleisch hat einen herben bis süßen, kohlähnlichen Geschmack. Geerntet werden sie zwischen September und Mai. Und dann bekommt ihr diese wirklich gesunden und kalorienarmen Kameraden auch überall.

 

Einkaufsliste für 6 großzügige Portionen

  • 1,5 kg Steckrüben
  • 500 g Rosenkohl
  • 250 g Zwiebeln
  • 750 g Kartoffeln
  • 200 g Maronen, gegart und geschält
  • 200 g Speck
  • 6 Mettenden, in Scheiben geschnitten
  • Salz, Pfeffer
  • 1,5 l Gemüse- oder Rinderfond
  • 3- 4 El Schweineschmalz
  • etwas getrockneter Majoran
  • 1 Bd. Petersilie
  • 2 Chilischoten oder mehr

 

Der Weg zur Suppe

Und schon kann es losgehen. Schneidet den Speck und die gepellten Zwiebeln in kleine Würfel.Die Steckrübe tranchiert ihr zuerst in etwa ein Zentimeter dicke Scheiben, die schält ihr dann und würfelt die sie. Den geputzten Rosenkohl schneidet ihr am Strunk immer kreuzförmig ein, dann gart er gleichmäßiger.

Dann schnappt ihr euch einen ausreichend großen Topf und bratet die Speckwürfel im Schweineschmalz darin an. Gebt nach kurzer Zeit die Zwiebeln und die kleingeschnittenen Chilischoten dazu. Wenn die Zwiebeln glasig sind, wendet ihr die Steckrüben darin und hebt den Rosenkohl und Maronen unter. Alles soll kurz aber kräftig angeschwitzt werden. Dann gießt ihr den heißen Fond dazu und schmeckt die Suppe mit Salz, Pfeffer und Majoran ab. Das alles gart ihr im geschlossenen Topf bei mittlerer Hitze für etwa fünfzehn Minuten.In dieser Zeit schält ihr die Kartoffeln und schneidet sie klein.

Nach der Viertelstunde entnehmt ihr mit dem Schaumlöffel fast den gesamten Rosenkohl und rund zwei Drittel der Steckrüben und Maronen. Das im Topf verbliebene Gemisch kocht ihr gar und püriert es im Anschluss. Wird es zu breiig, gebt ihr einfach noch Gemüsefond dazu.

Jetzt gebt ihr die herausgelöffelten Zutaten zurück in die Suppe, fügt die Kartoffeln und Wurstscheiben dazu und lasst alles auf kleiner Flamme köcheln bis die Kartoffeln gar sind. Das sollte, je nachdem in was für Trümmer ihr die Kartoffeln zerlegt habt, etwa zehn Minuten dauern.

Zum Schluss schmeckt ihr alles noch einmal mit Salz, Pfeffer und Majoran ab und streut die geschnittene Petersilie darüber. Fertig.

Heiß servieren, wie man so sagt. Und dazu reicht ihr gefälligst ein ordentliches Butterbrot (bloß kein Baguette) sowie ein kühles Pils, oder zwei. Aber das versteht sich ja wohl von selbst. Oder?

Tipp: Die Suppe schmeckt auch ohne Wanderung. Aber auch mit.

Fotos: Thomas Hobein

(Beim Kochen u.a. gehört: „Wishful Thinking“ von China Crisis)

 

1 Kommentar zu “Steckrübe, Rosenkohl, Marone

  1. Was die Suppe noch besser macht: wenn man sie vorbeigebracht bekommt. Besten Dank, das war wirklich eine Wohltat an diesem kühlen Novembertag!

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