Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Backofen-Kürbis

Kürbis kann mehr als nur Suppe
Hokkaido-Kürbis aus dem Backofen

Seit einigen Jahren fürchte ich mich immer, wenn die Kürbisse vor den Hofläden oder im Lebensmittelhandel auftauchen und die Kunden durch bunte Vielfalt anbrüllen. Denn jetzt beginnt die Zeit, in der dir in jeder Küche eine mehr oder weniger gelungene Kürbis-Suppe auflauert. Zeit für eine Alternative.

„Aus dir hätte wirklich etwas werden können.“ Meine Gedanken sind bei dem Kürbis, der das zweifelhafte Privileg hatte, zu dieser Suppe zu werden, die ich jetzt auszulöffeln habe. Ich werde mich wohl an Halloween zu Linus van Pelt in das Kürbisfeld begeben und gemeinsam mit ihm auf den großen Kürbis warten. „Großer Kürbis,“ werde ich dann sagen. „Mach, dass man auch den Hokkaido-Kürbis schälen muss.“

 

Schluss mit dem Kürbis-Suppen-Boarding

Dummerweise gibt es zwei Arten von Leuten, die Kürbissuppe machen. Die einen können kochen, die anderen nicht. Die sind aber in der Überzahl und produzieren gefühlt auch öfter welche. Doch würden sie das Land nicht weiter mit Kürbis-Suppe überschwemmen, wenn sie das Grundprodukt schälen müssten. Davon bin ich überzeugt. Und davon, dass dieser Umstand den Pro-Kopf-Verbrauch an Kürbis-Suppe um etwa einen Hektoliter absenken würde. Oder kann sich irgendjemand von euch an eine solche Suppen-Monokultur erinnern, bevor der Hokkaido-Kürbis erfunden wurde.

Und erfunden haben diese kulinarische Folter wohl die Japaner im zwanzigsten Jahrhundert. Aus Rache an den Portugiesen, die im siebzehnten Jahrhundert den Kürbis in Japan eingeschleppt haben. Die haben das Zeug dann dort weiterentwickelt und nach dem verlorenen Weltkrieg zurückgeschlagen. Erfolgreich – denn seit den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts werden Hokkaido-Kürbisse auch in Europa angebaut.

 

Gleicher Kürbis – andere Zubereitung

Nun weiß ich natürlich nicht, ob Linus und ich den großen Kürbis zu sehen bekommen werden, um die Bitte vorzutragen – deshalb unterbreite ich euch hier präventiv einen Vorschlag und empfehle, den Kürbis zu backen. Das ist nun auch nichts wirklich Neues, aber mindestens eine Million Mal origineller als Kürbissuppe.

 

Ihr braucht für diese knusprige Alternative:

  • 1 Hokkaido Kürbis (den muss man übrigens nicht schälen)
  • 4 EL Olivenöl
  • 3 EL Maldon Meersalz
  • Schwarzen Pfeffer
  • Nach persönlichem Geschmack Salbei, Rosmarin, Zimt, Zitronenschale (aber gefälligst nicht alles durcheinander)
  • Frischen Meerrettich oder geröstete Kürbiskerne

 

Und so geht es:

Hokkaido-Kürbis aus dem Backofen

Heizt den Backofen auf etwa 200 Grad vor.

Während sich der Ofen aufheizt, wascht ihr den Kürbis gründlich ab, halbiert ihn und löffelt die Kerne sowie die „Watte“ heraus. Dann schneidet ihr die Kürbishälften in gleichmäßige Spalten – die sollten etwa einen Zentimeter dick sein.

In einer Schüssel mischt ihr die Kürbisteile mit Salz, Pfeffer und dem Öl. Dann legt ihr ein Backblech mit Backpapier aus und verteilt die Kürbisspalten darauf. Entscheidet euch, welche der aufgezählten Aromaten ihr zugebt und schiebt das Blech auf der mittleren Schiene in den Ofen.

Nach fünfzehn Minuten wendet ihr die Spalten und röstet sie für weitere fünfzehn Minuten. Sie sind fertig, wenn die Spitzen und Ränder leicht gebräunt sind.

Raspelt jetzt noch frischen Meerrettich über die Spalten oder streut die Kürbiskerne darüber.

Hokkaido-Kürbis aus dem Backofen

Die Kürbisspalten aus dem Backofen passen ganz prima zu Lammbraten und einem Minz-Joghurt (dann lasst aber den Meerrettich weg) oder genießt sie einfach als Snack zum Bier.

Gekocht, fotografiert und gegessen von Thomas Hobein.

(Beim Schreiben u.a. gehört: „The Singles Collection“ von David Bowie)

 

 

 

4 Kommentare zu “Backofen-Kürbis

  1. Moin Thomas! Klingt vorzüglich. Was ist denn Maldon Meersalz?

    1. Thomas Hobein

      Hey Dirk, ist nicht nur einfach zu machen, schmeckt auch einfach gut. Maldon Meersalz ist im Prinzip die englische (und meiner Erfahrung nach günstigere) Variante des Fleur de Sel, also kleine Salz-Chips oder Salt Flakes, wie der Engländer sagen tut. Gibt es in DA in der Lebensmittelabteilung einer großen Kaufhauskette und überall im Internet.

  2. Lieber Thomas,
    So geht es mir auch: Überall gibt es Kürbissuppe – und meistens schmeckt sie einfach nicht. Deshalb habe ich angefangen einen Kürbis-Marathon zu kochen und zu backen – alles, außer Suppe!
    Dein Backofen-Kürbis kommt nun auch auf die Liste!
    Viele Grüße,
    Izabella

    1. Thomas Hobein

      Hallo Izabella,
      sehr gut – das mit dem Marathon. Und lass uns wissen, wie unsere „kleine Kürbis-Revolution“ verläuft

      Gruß aus Hessens tiefem Süden
      Thomas

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