Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Geiersmühle

Regional? Saisonal? Bio? (Folge 07)

Regional. Saisonal. Bio. Das findet jeder gut. Und jeder redet darüber. Und doch meint jeder etwas anderes und handelt – wenn auch in bester Absicht – entsprechend individuell. Michael Frank hat einige Gastronomen in der Gegend dazu befragt. Begleitet ihn auf seiner Tour, lernt die Leute kennen und das, was dort auf den Tisch kommt.

Dort, wo auf der Vielbrunner Höhe die L 3318 die L 3349 kreuzt, hast du das Gefühl, an einem zentralen Punkt im Odenwald zu stehen und einen Entschluss fassen zu müssen. Auf dem Weg in die Geiersmühle dürfte diese Entscheidung aber nicht besonders schwierig sein. Du fährst einfach in Richtung Miltenberg, Vielbrunn, Geierstal – übrigens egal von du kommst. Nach kurzer Zeit schlängest du dich durch Vielbrunn, vorbei am Parkhotel 1970 und wieder aus Vielbrunn heraus entlang des Vielbrunner Bachs. Dann erreichst du nach Zeit kurzer einen Golfplatz. Und dort findest du auf der rechten Seite der Straße die Geiersmühle – gut erkennbar am riesigen Mühlrad.

 

49.70801919999999, 9.122505584655748

Der Landgasthof Geiersmühle liegt allein stehend in dem unter Naturschutz stehenden Ohrnbachtal. Hier bietet Roberto Wewetzer seinen Gästen eine Küche mit Fokus auf frische, saisonale und möglichst regionale Produkte. Dementsprechend häufig wechseln auch die Angebote auf seiner Karte. Michael Frank hat Herrn Wewetzer unsere fünf Fragen zum Thema gestellt.

 

Frage 1:
Was verstehen Sie unter dem Begriff „Regionale Küche“?

RW: Produkte, die hier in der Region hergestellt werden. Die Region sollte direkt hier vor der Tür sein … so im Umkreis von zwanzig Kilometer, schätze ich mal – was es allerdings sehr schierig macht. Es ist leider so, dass wir produktmäßig nicht viel Auswahl haben.

 

Frage 2:
Beschränkt sich „Regionale Küche“ für Sie auf die regionaltypische Zubereitung regionaler Produkte?

RW: Nein, kann ich ja nicht. Das geht auch gar nicht, nein, nein. Also ich nutze gerne regionale Produkte – wenn sie mir angeboten werden – aber da gibt es keine Kontinuität. Und da ist auch nicht der Markt, den ich für meine Gastwirtschaft brauche.

Das ist sehr traurig, aber es ist so. Also wenn jetzt mal ein Schäfer ein Lamm schlachtet, dann heißt das, dass der nächste Woche nicht gleich noch eins schlachtet. Ja und ich muss aber, um arbeiten zu können, eine gewisse Menge haben, um vorbereitet zu sein und das auch anzubieten.

  

Frage 2a:
Und Beschränkung auf regionaltypische Zubereitungsmethoden?

RW: Beschränkung, nö!

 

Frage 3:
Handelt es sich dabei ausschließlich um saisonale Produkte?

RW: Ja klar, wir kochen immer saisonal … also fast rein saisonal. Es gibt vielleicht mal eine Erdbeere als Garnitur, aber kein Gericht aus Produkten, die nicht Saison haben. Da geht es letztendlich nur um Verzierung oder Verschönerung, ansonsten …

 

Frage 4:
Gibt es „das“ regionale Gericht schlechthin?

RW: Das typische Gericht aus dem Odenwald? (lacht). Also ja, wir zählen uns ja hier noch zum Odenwald. Das typische Gericht hier aus dem Odenwald … das ist Wild. Wild und Kochkäse.

(Wild mit Kochkäse? – Zwischenfrage des Interviewers). Nee, UND!

Ja oder Lamm. Ganz tolles Lamm haben wir. Und Gans und Ente, die ich hier aus der Gegend beziehe.

Aber ein Rehrücken, sagen wir mal, oder ein Wildschweinsauerbraten mit Rotkraut und Knödeln oder Spätzle – schreiben Sie lieber Wirsing und Spätzle – das finde ich passt noch besser … und die Ente mache ich mit Rotkraut und Knödeln. Ich koche klassisch.

 

Frage 5:
Welche Bedeutung messen Sie „Bio“ bei?

RW: Bio heißt für mich, dass die Sachen biologisch hergestellt werden, was nicht unbedingt ökologisch sein muss … wissen wir ja. Deshalb bin ich nicht darauf fixiert, weil ich Öko viel wichtiger finde. Ich glaube dass Bio schon ein gutes Siegel ist, aber ich glaube auch, dass vieles konventionell Gefertigtes, dann eher ökologisch ist und für Mensch und Umwelt letztendlich besser.

Also es bringt mir jetzt nichts, wenn ich Bio aus der Türkei importiere … über die Entfernung … also das ist meine Meinung. Vor allem kauft man ja ein „Bio“ Produkt, weil man denkt, dass man sich und seinem Gewissen etwas Gutes tut. Aber da wird das dann über die sieben Weltmeere verschippert mit irgendwelchen Großcontainerschiffen, die dann mit Rohöl fahren. Da muss man das alles eigentlich ein bisschen relativieren, finde ich. Und damit wird meines Erachtens nach auch viel Geld gemacht. 

 

Vielen Dank für ihre Zeit Herr Wewetzer

Ehrlich jetzt. Nicht jeder Gastronom stellt sich so offen diesen kontroversen Fragen. Roberto Wewetzer schon. Und da wir schon einmal dabei sind: Seit zwei Jahren drängen uns Freunde, die viel im Odenwald unterwegs sind, über die Geiersmühle zu berichten. Über das Essen und die Freundlichkeit, die sie dort erlebt haben. Das zumindest sei an dieser Stelle schon einmal erwähnt. Und auch, dass mir die Empfehlung des Rehcarpaccio der Geiersmühle in Jan Seghers Marthaler-Krimi „Die Sterntaler-Verschwörung“ durchaus nicht entgangen ist.

 

Landgasthof Geiersmühle
Ohrnbach-Außenliegend 1
64720 Michelstadt-Vielbrunn

Tel. +49 6066 721
landgasthof@geiersmuehle.de

Mittwoch und Donnerstag auf Anfrage
Freitags 18:00–21:00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 12:00–14:00 und 18:00–21:00 Uhr
Montag und Dienstag Ruhetag

www.geiersmuehle.de

 

Das Interview führte Michael Frank. Die Aussagen der Befragten sind inhaltlich unverändert, jedoch der hochdeutschen Schriftform angepasst. Für eine bessere Vergleichbarkeit entspricht die Reihenfolge der Fragen und Antworten dem Konzept und deshalb in Ausnahmefällen nicht dem Interviewverlauf. Auslassungen, die zu unnötigen Längen führen oder die Leser in der geschriebenen Form verwirren würden, sind gekennzeichnet.

Fotografiert haben Michael Frank und Thomas Hobein.

(Unterwegs im Auto u.a. gehört: „Wir müssen hier raus!“ aus dem Album „Keine Macht für Niemand“ von Ton, Steine, Scherben)

Nächste Woche: 49.75894629806959, 9.028692642150865

 

Weitere Beträge der Serie „Regional? Saisonal? Bio?“:
Folge 01: Einleitung
Folge 02: Hotel Waldesruh und Restaurant Pichlers
Folge 03: Zur Schmelz
Folge 04: Labsal
Folge 05: Treuschs Schwanen und Johanns-Stube
Folge 06: Zum Löwen
Folge 08: Zum Hirsch – Fürstengrund
Folge 09: Zum Rebstock
Folge 10: Dornrös’chen
Folge 11: Alte Dorfmühle
Folge 12: Heiping
Folge 13: Zum Kreiswald
Folge 14: Heimkehr und Schluss

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