Kulinarische Abenteuer im Odenwald und an der Bergstraße

Vom Walnusswein-Entkorken

Gut. Aber wo ist die Nuss?
Walnusswein, vin de noix, vino alle noci

Vor einigen Monaten haben wir aus grünen Walnüssen und weiteren Zutaten einen Aperitif angesetzt und zur Seite gestellt. Jetzt ist es an der Zeit unseren „vin de noix“ aus rein südhessischen Ingredienzen kurz atmen zu lassen, um ihn dann zu probieren.

 

Unser Walnusswein hatte es gut. Ruhig, dunkel und schön kühl. Eben ganz so, wie es sein soll. Aber jetzt geht es ihm an den Kragen, äh, Korken. Die Herstellung war ja nicht wirklich schwierig. Nur das Filtern der Sinkstoffe während der Abfüllung hat nervtötend lang gedauert. Aber was muss, das …

Vielleicht noch zur Erinnerung … wir haben zwei identische Ansätze abgefüllt, die sich nur dadurch unterschieden haben, dass eine Variante mit einem fruchtigen Dornfelder von der Odenwälder Winzergenossenschaft aus Groß-Umstadt aufgefüllt wurde und die andere mit einem trockenen Dakapo vom Hanno Rothweiler aus Bensheim-Auerbach. Beginnen wir mit dem dornfelderhaltigen Walnusswein.

 

Walnusswein aus Dornfelder

Walnusswein, vin de noix, vino alle noci

Den Dornfelder erkennen wir daran, dass die Flüssigkeit leicht heller ist als die des Dakapo. Aber vor allem an dem sorgfältig beschrifteten Aufkleber. So. Ein kräftiger Druck mit dem Daumen – und der Bügelverschluss schnellt nach hinten. Da der Inhalt keine Kohlensäure enthält, müssen wir auf das „flenssche Plopp“ verzichten. Heraus strömt der Duft der Kräuter, die gar nicht drin sind. Das kommt wohl eher von den Gewürzen. Aber von der Nuss keine Spur. Na dann probieren wir mal.

Schmeckt gut, aber nicht die Spur nach Walnuss. Es ist ein süßer, fruchtiger Aperitif mit kräftigen Gewürzaromen und einer leichten Bitternote. Mich erinnert es an einen aus der Mode gekommenen Cocktail – den Manhatten. Der besteht aus rotem Vermouth, Bourbon und einem Spritzer Angostura Bitter. Und eben dieser Angostura – einige von euch kennen den vielleicht auch aus dem Pink Gin – enthält einige identische Gewürze.

Fazit Dornfelder: Wie gesagt gut, aber irgendwie völlig nussfrei.

 

Walnusswein aus Dakapo

Walnusswein, vin de noix, vino alle noci

Auch hier ploppt nix. Und der Dakapo duftet beim Öffnen ganz ähnlich wie der Dornfelder-Ansatz. Aber beim Probieren wird der Unterschied sehr deutlich. Denn dieser Wein bewahrt sich selbst in diesem Ansatz seinen kräftigen, tanninhaltigen Charakter. Insgesamt kommt dieser Walnusswein etwas weniger frisch, aber gehaltvoller und insgesamt erwachsener daher.

Fazit Dakapo: Ebenfalls gut und gleichermaßen befreit von jeglichen Walnüssen.

 

Sechs Loide ham probiert, gewehrt hat sich keiner

Walnusswein, vin de noix, vino alle noci
Alle sagen, schmeckt gut bis lecker. Alle sprechen von Kräutern, nicht von Gewürzen. Keiner schmeckt die Nuss. Fünf entscheiden sich für den Dakapo, nur Chris empfindet hier einen etwas unangenehmeren Geschmack im Abgang. Ich baue als einziger eine Brücke zur Angosturanote bei beiden Varianten.

Wir probieren den Aperitif kalt – schließlich trinken ihn manche Leute auf Eis – und bei Zimmertemperatur. Geht beides, aber bei Zimmertemperatur sind die Aromen intensiver.

Walnusswein, vin de noix, vino alle noci

Mehr gibt es nicht zu sagen. Machen wir nächstes Jahr wieder. Wer von euch, ihr Leserinnen und Leser, einen Tipp hat, wie wir den Nussgeschmack noch da rein kriegen, möge sich melden und unserer Dankbarkeit gewiss sein. Und jetzt, glaube ich, nehme ich noch einen. Viel ist ja nicht mehr da, aber trotzdem …

Walnusswein, vin de noix, vino alle noci
Probiert haben einige, fotografiert hat Thomas Hobein

(Beim Schreiben gehört: die Sampler CD 84, welche leider der finalen Printausgabe der Zeitschrift Groove, Nummer 175, beilag)

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